Zum Glück hatten wir in den nächsten drei Nächten keinen Fliegeralarm. Sonst bekamen wir regelmäßig jede andere Nacht Besuch von den amerikanischen oder englischen Bombern. Viele von uns befanden sich dann jedesmal in einer panikartigen Stimmung. Wir rechneten fest mit einem Angriff, und dann waren wir ja hier hilflos preisgegeben, denn wir wurden nicht aus dem Gebäude herausgelassen.
Der Schlafsaal war ganz verwanzt und verlaust. Das eklige Ungeziefer plagte uns nachts, wie uns tagsüber das andere Ungeziefer plagte.
So waren wir froh, als wir endlich die Baracken beziehen konnten. Wir hatten trotzdem noch genug zu tun, um die kahlen Buden einigermaßen wohnlich zu machen. Es befanden sich in Kottern, auch einem Außenkommando von Dachau , etwa zwölfhundert Häftlinge. Ihr Leben unterschied sich kaum von dem in anderen Lagern. Sie lebten in derselben Knechtschaft, wurden schlecht behandelt und bekamen unzureichendes Essen.
Genau wie in Allach fanden sich in der Küche auch wieder die Maden und Schmarotzer ein. Die Skrupellosigkeit, mit der einige dieser Gauner aus den Beständen Lebensmittel stahlen und verschoben, war rein verbrecherisch. Man könnte es vielleicht ausrechnen, wieviele Häftlinge dadurch ihr Leben lassen mußten, denn wenn ihnen die volle Kost, die ihnen zustand, auch zugute gekommen wäre, hätten sicher viele nicht an Hunger und Entkräftung eingehen müssen. Ganz besonders schlimm trieben es der Verwalter und sein ,, Assistent", der SS- Schütze Weidner und der Rottenführer Romada. Sie brachten große Mengen Fleisch, Wurst, Nährmittel und Fett beiseite. In ihrer Habgier hätten sie wohl das ganze Lager ausgeplündert, wenn ich nicht doch immer wieder gebremst hätte. Sie betrogen auch die SS - Lebensmittelverwaltung und räumten dort die Depots aus.
Wo ein Aas ist, sammeln sich die Geier. Es fand sich auch der alte Spitzbube Häusler hier ein. Diesmal nannte er sich Oberscharführer und stellvertretender Lagerführer. Er hörte gern, wenn man ihn so betitelte. Sicherlich kam ihm die Beförderung bei seinen Neigungen und kleinen Schwächen zustatten. Er stahl und schob en gros, nicht nur in Lebensmitteln. Später wurde er einmal erwischt, als er große Mengen Decken, die die Häftlinge bekommen sollten, verschoben hatte.
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