Bauch. Einen Augenblick war mir, als müßte ich das brennende Gift mitsamt den Eingeweiden ausspucken. Aber ich stand und gewann die Beherrschung über mich, über jeden Muskel und über jeden Nerv. Aber ob ich den dritten Gang dieses Satanstrunks überstehen würde? Ich stürzte mich mit dem Mut der Verzweiflung darauf zu. Da kam mir ein kleiner günstiger Zwischenfall zu Hilfe und gönnte mir die nötige Atempause. Wilhelms Saufkumpan, ein Oberfeldwebel der Luftwaffe, Kuchalewski, kam herein. Das war einer, den ich während meiner ganzen Zeit in Kottern nie recht nüchtern sah. Er war auch jetzt schwer geladen. Der Lagerführer wandte ihm die Aufmerksamkeit zu, bot ihm zu trinken an, trank selber mit. Ich vergoß im unbewachten Augenblick einen Teil des Restes hinter das Aktenregal, neben dem ich stand. Dann setzte ich an und soff aus. Mit letzter Energie nahm ich stramme Haltung an. ,, Melde gehorsamst: Auftrag erfüllt! Bitte, abtreten zu dürfen!"
Das Herz schlug mir am Hals hoch. Wenn es ihm nun in seinem Suff einfiel, zu verlangen, ich sollte nochmal eine Flasche austrinken, oder wenn er mir sonst eine Sauerei anhängte?! Ich wäre zu nichts mehr fähig gewesen, es wäre mein Verderben geworden. Aber den Gedanken konnte ich natürlich nicht mehr klar durchdenken. Das Zimmer schaukelte vor meinen Augen, die Gestalten der zwei und alles sonst verschwammen im Nebel.
Er hatte sich im Sessel langgestreckt und flätzte die Beine über den niedrigen Schreibmaschinentisch, wobei die Schreibmaschine bedenklich an der Kante wackelte. Raus mit dir!" rief er mir zu. Und kotz dich draußen aus!"
"
Schnell war ich zur Tür hinaus, kam gerade noch bis in unseren Saal. In den Eingeweiden brannte es, ich keuchte vor Atemnot , Teile meines Körpers waren wie gelähmt, die Glieder ganz steif, aber Brust und Bauch wanden sich förmlich in Krämpfen. Ich würgte und erbrach das Giftgesüff zum größten Teil wieder, ich schwamm im Dreck und rutschte ein paarmal drin aus, als ich mich erheben wollte. Ein paar Kameraden halfen mir ins Bett und nahmen sich auch sonst meiner an. Ich lag die ganze Nacht hindurch in einer Art Betäubung, hatte von Zeit zu Zeit Bauchkrämpfe und Erbrechen.
Am andern Tag gab mir der Reviergefreite ein Mittel, das ganz gut wirkte. Auch konnte ich in der Küche einen Schoppen Milch trinken. Das brachte mich einigermaßen wieder auf die Beine. Doch hatte ich noch tagelang unter den Nachwirkungen des Exzesses zu leiden.
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