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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Die Weiber quietschten und grillten. Kurz darauf hörte ich es, wie die armen Häftlinge geprügelt wurden, ihre Schmerzenslaute zwischen dem bar­barischen Geheul und Getue der Männer und Weiber. ,, Gib ihm! Immer feste, noch ein paar! Gerbt ihm das Fell! Nur druff!" So hetzten sie einander auf, und ich fühlte draußen, daß sie in Hitze gerieten und sich in die sadistischen Ausschweifungen immer mehr hineinpeitschten. Die Schläge klatschten auf nacktes Fleisch, die Geprügelten schrien, die andern johlten dazwischen, es polterte, keuchte, wogte durcheinander. Ein Höllentohuwabohu. Es fielen Be­merkungen und obszöne Ausdrücke, die ich hier nicht wiedergeben kann, und aus denen ich entnehmen konnte, daß sich auch die Weiber an den Miẞhand­lungen beteiligten, aufgegeilt und ganz außer Rand und Band geraten.

Ich wünschte mich über alle Berge. Was würde aus mir werden? Wenn einer der Unholde mich hier erblickte, konnte es sein, daß er mich in den Hexen­kessel hineinstieß und daß ich auch meine Tracht abbekam. Ich saß wie auf glühenden Kohlen. Sollte ich nicht lieber doch wieder verschwinden und später wiederkommen? Ich schlich mich leise an die Türe. Da trat der SS- Mann, der mir die Tür geöffnet hatte, wieder herbei.

,, Schutzhäftling 46 431 bittet, austreten zu dürfen", stotterte ich in größter Verlegenheit.

Der Mann schüttelte sich vor Lachen. ,, Hast du vor Schreck in die Hosen geseicht, was?" schrie er. ,, Marsch raus und dann draußen warten, bis ich dich wieder hereinrufe."

Ich flitzte hinaus. Wartete, ging eine halbe Stunde lang auf und ab. Endlich kamen die armen Teufel heraus, blutig und zerschlagen. Es dauerte aber noch eine Weile. Ich stellte mich dicht an der Tür auf. Nach einer halben Stunde wollte ein SS- Mann hinein, fragte mich, was ich hier tue. Ich gab ihm Bescheid. ,, Komm mit herein!" forderte er mich auf. Ich stand wieder in dem Vorraum. Dann erschien der Türöffner wieder. ,, Ja so, du bist auch noch da!" sagte er, ging hinein und meldete mich. Bald darauf trat dann der Lagerführer ein. Ich stand stramm und machte meine Meldung. Der hohe Herr konnte sich kaum auf den Füßen halten, er war voll. ,, Du bist also der neue Küchenkapo", rülpste er. Was muß ein Küchenkapo haben?"

"

Ich ließ mich durch diese dumme Frage nicht beirren, sondern wußte prompt die Antwort: ,, Immer was zu essen, Herr Lagerführer."

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