“ Und immer die Angst, immer auf der Lauer sein: wo ist Gefahr, springt es dich nicht mal unerwartet an, kommst in eine Sauerei hinein? Bist du jetzt dran, mußt du die Stationen der Foltermaschinerie durchlaufen, wirst schließ- lich in den Ofen geschoben?
Die Marterinstrumente hatten immer Arbeit. Wir wurden oft Zeuge, wie. unablässig der greuliche Apparat funktionierte, rastlos Tag und Nacht.
Eines Abends, wir waren eben auf dem-Appellplatz zum Abendappell an- getreten, kam das geschlossene Lagerauto der SS, fuhr vor dem Baderaum bei der Waschküche vor. Ich bemerkte im Husch, daß die Insassen Russen waren. Nach wenigen Minuten traten sie wieder aus dem Gebäude heraus, nur mit Hemd und Hose bekleidet. Sie wurden zum Krematorium hinuntergeführt. Hinter dem Krematorium befand sich der Schießstand. Nicht lange danach hörten wir ein paar Salven hintereinander. Nun ja, es war den Ankömmlingen viel erspart geblieben. Kaum kam ein Gefühl von Mitleid mit dem Mord an den Ahnungslosen in mir auf. Es war kurz und schmerzlos gegangen. Nun
. kamen sie gleich ins Krematorium und dann war alles vorbei. Ja so, später
vom Gemüseschuppen aus beobachtete ich noch, wie man eine Holztrage voll Kleider vom Krematorium herunterbrachte. Es hatte alles seine Ordnung und Zweckmäßigkeit. Was hätte man auch mit den Toten noch die Kleider ver- brennen sollen! In der Mordfabrik ging alles gut durchorganisiert am laufen- den Band!
Das Krematorium in Flossenbürg arbeitete ununterbrochen Tag und Nacht. Manchmal, wenn der Wind gegen das Lager ging, stand ein widerlicher Brat- geruch von gebranntem Fleisch in der Luft.
An manchen Tagen wurden Polen oder sonst mißliebige Ausländer von der Arbeit weg aus dem Steinbruch geholt. Es dauerte dann kaum eine Stunde, so ertönten in kurzen Abständen die Salven vom Schießstand herüber. Wenn die Erschießungen stattfanden, wurde am Eingang des Lagers eine rote Flagge gesteckt. Diese Art Hinrichtungen nahmen meist junge Blockführer oder Schar- führer vor, sie waren dabei gewöhnlich stark betrunken oder doch„an- geheitert".
Der Winter war noch lang. Die Arbeit fiel mir schwer. Ich fühlte, daß meine Kräfte nachließen. Herrgott, gib mir Kraft, durchzuhalten!
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