und die Bewohner des Mittelstocks kommen dran, ihre Betten zu bauen. Galopp. Kaffee fassen! Hastig wird die braune Brühe hinuntergeschlürft. Wer nicht mitkommt, muß auf den Kaffee verzichten und sein Brot in die Tasche stecken, unterwegs essen. Wieder ein Befehl: ,, Alles raustreten!" Der gesamte Block muß vor dem Appell gesäubert werden. Stubendienst vor die Front. Dazu müssen sich ein paar Mann mit Besen und Schrubber bewaffnen. Ein Gedränge und Geschiebe, wohin man sieht.
Der eine will noch schnell sein Geschirr im Waschraum säubern, der andere springt zum Abort. Natürlich ist der wieder besetzt, und fünf andere warten auch schon. Viele haben Durchfall, und der Kalfakter, der den Abort sauber halten muß, will auch fertig werden, denn es ist gleich Appell. Schluß jetzt!" schreit er. Es darf keiner rein. Die draufsitzen, nehmen ihre Hosen in die Hände und knöpfen sie unterwegs an.
Der Blockälteste pfeift zum Antreten. Eine eisige Kälte empfängt uns. Flimmernd und glitzernd treibt ein feiner Schnee, der schneidende Wind fährt uns ins Gebein. Wir schlottern in den dünnen Kleidern. Die Herren sind natürlich noch drinnen im Tagesraum, wo eingeheizt ist. Der Blockälteste, der Schreiber, der Stubenälteste und noch ein paar haben Innendienst, sorgen dafür, daß die Baracke instandgesetzt wird. Da will auch jeder gern dabei sein, morgens den Block sauber machen helfen. Denn man darf dafür mittags, wenn das Essen ausgeteilt ist, den Kostträger auskratzen; etliche Klumpen bleiben immer am Boden hängen. Und ein paar Löffel mehr in diesem deutschen Sibirien kann das Leben bedeuten.
Wir stehen draußen in Reih und Glied und trampeln den Schnee fest. Morgenappell. Mützen ab! Meldung des Rapportführers an den Lagerführer. Befehl:„ Arbeitskommandos formieren!" Dann wirbelt alles durcheinander, schnell reiht sich jeder seinem Arbeitskommando ein. Die einen rennen zum Schuster, die andern zum Schneider, in die Werkstätten, an die verschiedensten Arbeitsplätze. Einige haben Schonung, müssen leichten Innendienst machen, andere sind fürs Revier vorgemerkt. Der längste Zug ist der zum Steinbruch. Im Gleichschritt marsch! Die lange Kette ausgehungerter Menschen, in ihren plumpen Holzschuhen und schmutzigen blauweiß gestreiften Anzügen marschieren zum Tor des Lagers hinaus, über die Landstraße nach dem in einigen hundert Meter Entfernung liegenden Steinbruch. Inzwischen ist die große
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