Postenkette gebildet, die sich um das gesamte Lager und um den Steinbruch zieht.
Grau und kalt liegt der Steinbruch vor uns. Wie eine träge ruhende Bestie blickt er uns feindselig entgegen. Täglich von neuem müssen wir den Kampf mit der Bestie aufnehmen, die schon viele von uns gefressen hat. Wer wird heute drankommen? Selten vergeht ein Arbeitstag, ohne daß wir Tote oder Verletzte hätten. Auf wen fällt heute das Los, wen hat die Bestie sich ausgesucht? Uns fröstelt. Aber nicht mehr lang. Bald kommt Leben in diesen toten kalten Winkel der Hölle. Die Betonmischmaschinen rasseln, die Kähne ächzen, die Stampfer und Bohrer machen Lärm. Überall emsige Hände, die bohren, heben, brechen, Ketten an den Kränen ziehen. Manche tragen schwere Steine mit bloßen Händen. Was für schreckliche Kälte sitzt in den Steinen! Was für ein feindliches Element! Die Loren werden vollgeladen, zu den einzelnen Hallen transportiert, wo Häftlinge als Steinmetzen eingesetzt sind. In einem großen Loch, in dem sich Schlamm und Schneewasser befindet, laufen etwa zwanzig Häftlinge im Kreis herum. Sie haben schwere Steine auf dem Rücken, sind von der Strafkompanie. Weiß der Teufel, aus welchem Grund die armen Kerle so geplagt werden. Ein junger, kräftiger SS- Mann steht dabei, mit glattem, rundrotem Gesicht, wasserhellen Augen, seine Miene hat einen Ausdruck von Freude und Spannung, als sei er mit sich oder mit dem, was er tut, sehr zufrieden. Er ist satten Leibes, aber auch satt in seinen Trieben und Instinkten, die böse und grausam sind. Er mästet sich an Tieren und Menschen. Man kennt und fürchtet ihn allgemein. Er ist der Typ des SS- Mann- Kannibalen, unter dem die Häftlinge körperlich und seelisch zugrundegehen. So schätze ich ihn ab. Sein feister Körper streckt und reckt sich. Wie eine fette Made, geht mir der Vergleich durch den Sinn. Nein, jetzt nicht. So kann man ihn sich vorstellen in seinem Bau, wenn er gefressen hat. Jetzt steht er kalt und eisern, kälter als der Stein, den ich eben an ihm vorbeischleppen muß. Da, die glatte Figur regt sich, rutscht mit dem Fuß aus, tritt einem Häftling auf den Stein, den er auf der Achsel schleppt, so derb, daß der Unglückliche mit einem Aufschrei zusammenfällt. ,, Willst du in die Reihe kommen, du Lump!" schreit er wüst. Aber der kommt nicht mehr in die Reihe. Der liegt da und ein kleines Gerinsel von Blut fließt aus seinem Mund. ,, Schafft das Stück Mist aus dem Weg!" befiehlt der Unhold.
190


