eine Karte gegen die Gebühr von einer Mark. Das ging von den paar Pfennig ,, Verdienst" ab, die wir erhielten. Zur bestimmten Stunde betrat er das Gebäude, wurde zuvor vom Arzt untersucht und mußte dann mit einer Reihe von Bewerbern Schlange stehen. Die Aufsicht führte auch hier die SS. Sie rief einen nach dem andern auf und teilte jedem die Zimmernummer mit. Die Frau, mit der er Verkehr haben würde, sah er vorher nicht. Es war ihm eine Frist von fünfzehn Minuten bewilligt, die er nicht überschreiten durfte. In der Zimmertür war ein Guckloch für etwaige Kontrollmaßnahmen.
Die Mädchen und Frauen in dem Bordell waren keineswegs ausschließlich Prostituierte aus anderen Bordells, sondern zumeist weibliche KZ- Häftlinge aus Frauenlagern, zum Beispiel aus Ravensbrück . Dort wurden die Frauen von Ärzten zu Versuchszwecken in abscheulicher Weise mißbraucht und miẞhandelt. Gar manche wurde regelrecht bei lebendigem Leibe seziert. Die mörderischen Metzger schnitten den Frauen oft ohne Narkose Muskeln heraus, um diese auf verwundete Soldaten zu übertragen. Anderen impfte man Giftstoffe ein, die schrecklichen Aussatz, zerstörende Krankheiten oder Lähmungen hervorriefen. Bei einer Reihe von Frauen versuchte man künstliche Befruchtungen, um dann die Entwicklungsstadien des Embryos zu studieren. Die Quälereien müssen so entsetzlich gewesen sein, daß viele Frauen sich aus den Fenstern stürzten oder sonstwie Selbstmord verübten. Viele meldeten sich auch als Bordellmädchen für die Anstalten in den KZ- Lagern, zumal man ihnen versprach, daß sie nach einer gewissen Zeit in die Freiheit entlassen werden würden.
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