Nach dem Essen drängte alles zum Waschraum, denn jeder wollte als erster sein Geschirr spülen. So stieß und rieb man sich aneinander in den engen
Räumen.
Wir hielten im allgemeinen gute Disziplin und Kameradschaft. Aber wo so viele Menschen auf kleinem Raum beieinander sind unter menschenunwürdigen Verhältnissen, unterdrückt und unzureichend verpflegt, da können Reibereien Gehässigkeiten, Streit und Hader nicht ausbleiben. Viele waren in den Nerven ganz heruntergekommen und darum unbeherrscht und händelsüchtig. Die Vernünftigen hatten dann Mühe zu schlichten, damit wir Unglücklichen und Elenden einander nicht unnötig das Leben noch schwerer machten als es bereits war.
An Werktagen, wenn man glaubte, nach dem Abendessen noch ein Stündchen Ruhe zu bekommen, täuschte man sich manchmal. Es kam wieder etwas anderes. Fertigmachen zur Läusekontrolle! Dann mußte jeder Hemd und Hose ausziehen und nach dem Ungeziefer gucken, das sich manchmal nicht nur in den Kleidern, sondern auch an den behaarten Stellen des Körpers einnistete. Wer Ungeziefer hatte, mußte Decken und Kleider zusammenrollen und sich zur Entlausung in die Waschküche begeben.
Nach alldem war es endlich soweit, daß man in seine Falle einsteigen konnte. Gut und schön. Das ging einfach vonstatten. Aber morgens dann der Fallenbau! Das war ein Kapitel für sich. Das Bett mußte sein wie ein Billardtisch, so glatt und gestriegelt, das Kopfkissen wie eine Zigarrenkiste. Die Flucht der Betten mußte die gleiche Höhe haben, kein Zentimeter Unterschied durfte da sein, keine Falte oder Unebenheit. Der Schlafsaaldienst hatte eine Tabelle, auf der jeder mit seiner Nummer und seinem Bett verzeichnet stand. Denjenigen, der mit seinem Bett aufgefallen" war, erwartete abends statt des Essens eine Strafmeldung. Er durfte dann nicht mit den andern essen, sondern mußte unter schimpfender und prügelnder Aufsicht sein Bett x- mal machen und wieder einreißen. Dann war es oftmals bereits soweit, daß er gleich hineinkriechen konnte, wenn er es endlich zur Zufriedenheit gebaut hatte.
Übrigens kostete der Fallenbau wohl manchem das Leben. Der eine oder andere war nervös und unsicher und fürchtete, er werde beim Bettenmachen auffallen. Aus diesem Grunde übertrug er einem andern die Aufgabe, sein Bett mitzumachen und gab ihm dafür ein Stück Brot. Das aber bedeutete
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