Tag über am und im Wasser, wanderten hinaus ins Meer, badeten, schwammen, balgten uns auf Stämmen und Hölzern. Ich bekam sie zu fassen, aber glatt wie eine Nixe entzog sie sich mir, tauchte minutenlang und stieg dann wieder wie eine schaumgeborene Venus hervor, mir mit anmutiger Gebärde eine Muschel oder sonst ein skurril geformtes Etwas reichend.
So wandelte ich mit Tete auf den Pfaden der Freude und des Lebens. Ich wünschte mir nichts mehr, ich war glücklich wie ein Kind, ich war in meinem eigensten Element. Es stand für mich fest, daß ich mich hier für immer niederlassen werde. Es war meine Wahlheimat, mein Sinn stand nach nichts anderem.
Ich schrieb meiner Mutter einen langen Brief, der in überströmenden Worten mein Glück kundtat. Daß ich hier für immer bleiben wolle und meine geliebte Tete heiraten werde.
Heiraten? Tete war glücklich, als ich ihr davon sprach. Doch sie schmiegte sich an mich und fragte bang:„ Aber wenn ich dir in deine Heimat folgen soll, muß ich sterben. Selbst deine Liebe kann mich dann nicht am Leben erhalten." ,, Ich gehöre zu dir", tröstete ich sie. ,, Wo du bist, ist meine Heimat. Du und deine Heimat sind mir ein Begriff. Fühlst du nicht, daß mein Herz nie daran denken wird, dich und Tahiti zu verlassen?"
Unser Bungalow war ein verwunschenes Schlößchen. Bad, Küche, Ofen, in dem mit einem kleinen Handfächer Feuer gemacht wird. Dann ein schöner, intimer Raum zum Aufenthalt, das war die ganze Herrlichkeit. Rund herum in der Länge und Breite zog sich eine Veranda um das Haus. Sie war geräumig und diente gleichzeitig meist als Wohnraum, sie war reichlich mit Möbeln, Tischen, Stühlen, Couchs, Polstern, Kissen und Decken versehen.
Wir lebten im wahrsten Sinne des Wortes herrlich und in Freuden, im Paradies, verbunden in einer schönen Selbstverständlichkeit, in einer idealen Gemeinschaft. Die Tage brachten uns immer neue Erlebnisse in der Natur. Die ganze Fülle des Lebens bot sich uns auf dieser Märcheninsel. Wir wurden von immer neuen Wundern des Lebens und der Liebe überschüttet. Wir aẞen und tranken froh und dankbar vom Tisch des Lebens, der hier immer reichlich gedeckt war. Zu Hause die Wohnung blieb unverschlossen. Im Paradies gab es keine Diebe. Die französische Behörde hatte zwar ein Gefängnis eingerichtet, vielleicht, weil es zu einer Kolonie gehört, die zivilisiert werden soll. Aber es befand sich selten jemand im Prison, außer dem Gefängniswärter selbst.
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