Er berichtete dann, wie es mit ihm ergangen war. Er mußte wohl sinnlos betrunken gewesen sein, denn er konnte sich an Einzelheiten nicht mehr erinnern. Er sei Matrose, von einem Motorsegler desertiert, in eine Kneipe und damit in zweifelhafte Gesellschaft geraten. Ja, der böse Zuckerrohrschnaps. Wer ihn dann bis aufs Hemd ausgeplündert hatte, wußte er nicht mehr. Wahrscheinlich seine Saufkumpane, vielleicht hatten die aber nur halbe Arbeit gemacht, ihn liegen lassen, und den Rest hatten dann brasilianische Neger besorgt, die nicht selten Betrunkene auszogen, um in den Besitz von Stoffen zu kommen. Wer weiß, welcher schwarze Kavalier jetzt den Anzug meines Landsmannes und Namensvetters Max trug!
In meiner Wohnung ließ ich den Ärmsten zunächst ein Bad nehmen. Dann rasierte er sich, ich gab ihm Hemd und Hose, Strümpfe, Schuhe und Krawatte. Bald sah er wieder manierlich und ganz gut aus.
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Ich hätte nicht so hochmütig die Nase rümpfen sollen über das Saufabenteuer meines Landmanns einige Tage später widerfuhr mir ein ähnliches Mißgeschick. Ich besuchte mit Max die Cap- Arcona- Bar in Gesellschaft von Seeleuten. Es wurde sehr viel getrunken und geredet. Die Wogen des Gesprächs und der Stimmung gingen hoch. Unendliche Mengen des süßen Zuckerrohrschnapses wurden konsumiert. Ich hatte einen gehörigen Schwips. Es war bereits spät in der Nacht. Die Seeleute brachen auf, denn sie mußten an Bord zurück. Mein Landsmann überredete mich, mit ihm noch zum Chave de Ore zu gehen. Ich merkte gar nicht, daß ich schon ziemlich angetrunken war, ebensowenig, daß ich ich nur noch wenig Geld bei mir hatte. Wir betraten ein Lokal, das auf Nepp eingerichtet und also ziemlich teuer war. Ich war meiner Sinne nicht mehr mächtig und bestellte wild drauf los. Schließlich drehte sich alles um mich, ich wußte nicht mehr, was Tür und Fenster waren, und wie es dann ans Zahlen ging, platzte die Blase. Mein Begleiter war verschwunden, zwei andere Begleiter nahmen mich in ihre Mitte. Es wurde mir nur dunkel bewußt, daß ich ziemlich unsanft behandelt, gestoßen und gepufft wurde. Man schob mich nach einem unbequemen Transport in einen kahlen, halbdunklen Raum, den eine große eiserne Tür absperrte.
Mein Rausch schwand. Die Schatten um mich nahmen feste Formen an. Ein riesenhafter Brasilianer und vier handfeste Neger umtobten mich drohend, mit zunehmender Ernüchterung wurde mir elend zumute, angst und bang. Die
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