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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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und erkundigte sich nach meiner Herkunft im doppelten Sinne des Wortes. Ich antwortete, ich sei Deutscher und soeben über den Gartenzaun hier herein­gekommen. Er schrieb seinen Namen und meinte: Ja ja, die Deutschen !" Ein Herr neben ihm sagte schmunzelnd zu mir: ,, Lind unsere Detektive! Wollen Sie nicht die Überwachung unserer Umgebung übernehmen, damit wir vor Leuten, die unter Umständen nicht so harmlos sind wie Sie, verschont bleiben?!"

Ich lehnte dankend ab und zog mich schleunigst zurück.

Eine Anstellung suchte ich in Rio nicht mehr. Ich wollte wieder reisen und schauen.

Meine nächste Station auf der Fahrt an der Küste Brasiliens entlang war Santos, der berühmte Kaffee- Ausfuhrhafen. Große, langgestreckte Schuppen ziehen sich in den Hafenanlagen dahin, bis unters Dach vollgepfropft mit Kaffee. Eine Unmenge Kaffeehäuser befinden sich in dem Städtchen, in denen allerlei merkwürdige Existenzen herumsitzen, Börsenmakler, Seeleute, Globe­trotter, Leute aus aller Herren Länder, deren Art und Beruf man nicht fest­stellen kann. Im Kaffeehaus wurde ich bekannt mit einem Herrn Merby. Er trank Kaffee und dann Zuckerrohrschnaps. Wenn er da angelangt war, kam er ins Erzählen, phantasievoll und abenteuerreich. Er erinnerte mich manchmal an Freund Fritz in Genua und an dessen Urwaldphantasien. Merby wurde nicht nur vom Kaschaẞ berauscht, sondern mehr noch von seinen Worten, die immer glühender und beschwörender wurden, je mehr er in sein Thema hinein­kam. Mit einer unglaublichen Beredtsamkeit und Einbildungskraft schilderte er das, was er als Realitäten annahm und was nach meinem Dafürhalten nur in der Phantasie existierte. Sorge dafür, Max, daß wir zu einer eigenen Jacht kommen, dann wirst du ein reicher Herr und ich auch. Nur ich kenne das Geheimnis der Flibustier und der portugiesischen Freibeuter. An Hand von Berichten und Karten habe ich genau erkundet, wo die berüchtigten Seeräuber: kapitäne vergangener Jahrhunderte ihre Schätze versteckt haben. Ich hatte ein­mal einen Kompagnon, mit dem ich auf die Suche ging. Wir fanden auch in einer verborgenen Höhle am Meeresstrand das Wrack eines uralten, seltsam geformten Schiffes, wir fanden im Innern Truhen und eiserne Schatullen. Aber mein Begleiter war unvorsichtig, er stürzte durch die alten Planken und ver­unglückte tödlich..."

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