Kaffee und Kaschaẞ
Mein Äußeres befand sich nach diesem Abenteuer, wie man sich denken kann, nicht gerade in einem vertrauenerweckenden Zustande. Ein gewöhnlicher Landstreicher in den Staaten hätte mich kaum als seinesgleichen gewürdigt. Geld hatte ich fast keins. Ich wandte mich in meiner Verlegenheit wieder an den Herausgeber der A'Noite, Herbert Moses, der mich freundlich anhörte und mir eine Empfehlung an verschiedene Herren von der Hochfinanz gab. So halfen mir Herr Wallerstein und Herr Hoepke von der Sindicato Condor weiter. Ich hatte also durch meine abenteuerliche Reise ins Innere Brasiliens zwar keine Diamanten und Goldklumpen erworben, aber doch wenigstens eine neue Ausstattung.
Im eleganten weißen Tropenanzug schlenderte ich über die Avenida Rio Branco und machte als neugebackener Kavalier sogar die Bekanntschaft des Staatspräsidenten Jetulio Vargas. In einem Park fiel mir das herrliche weiße Gebäude des Jokaiklubs auf. Diesem Klub gehören die reichsten und feudalsten Männer Brasiliens an, lauter Namen von Klang. Ich kam ins Gespräch mit dem Portier, der mir sagte, daß heute hoher Besuch da sei, der Präsident Vargas. ,, Von dem möchte ich ein Autogramm", sagte ich und ging auch sofort daran, meinen Wunsch in die Tat umzusetzen. Ich suchte den Zaun nach einer stillen, unbewachten Stelle ab und war eins zwei drei hinübergeklettert. Ich konnte jetzt unbehelligt in das Gebäude gehen, da ich als junger blonder Europäer in meiner eleganten Kleidung als zur Gesellschaft gehörig betrachtet wurde. Es war eine erlesene Gesellschaft in großer Toilette versammelt. An einem der separaten Tische gewahrte ich den Präsidenten. Kurz entschlossen trat ich auf ihn zu, stellte mich vor und hielt ihm im selben Augenblick auch schon Füllhalter und Papier hin für das gewünschte Autogramm. Er lächelte
77


