Kamerad Indio begleitete uns auf unserem Rückmarsch durch den Urwald. Es machte mir große Sorge, wie ich den Franzosen mit mir schleppen solle; denn er war sehr hilfsbedürftig, er mußte geführt und manchmal getragen werden. Zeitweise ging es ganz gut mit ihm, er war bei Kräften und sprach verständig und im geordneten Denken. Bisweilen aber bekam er seine Anfälle, und er redete dann wirr und fieberkrank durcheinander.
Ein Tagesmarsch durch den Urwald. Die Dämonen zaubern wieder ihren Spuk in die dunkelgrüne Dämmerung. Auf den Wassern schwimmen die riesigen Bäume, schimmelig phosphoreszierend, durch die schmarotzenden Baumwürger umgebracht, von der Schönheit der Lianen allmählich erwürgt. Seerosen locken, Schlangennester drohen, Affen kreischen, Berge von Ameisen, Wolken von Insekten versperren den Weg.
Eine glückliche Stunde für mich und meinen Begleiter, als wir auch den Gürtel der Vorzone durchbrochen haben. Nie wieder Urwald...
Nie wieder? Ich weiß nicht. Schrecklich und verflucht ist der Wald. Und doch, irgendwo in mir ist etwas, das sich wie von einem Magneten angezogen fühlt, irgendwie hat dieses Ungeheuer Gewalt über mich gewonnen, übt einen geheimen unwiderstehlichen Reiz auf mich aus. Vielleicht werde ich doch mal Orchideenjäger, vielleicht wage ich es doch mal, in das Geheimnis des Urwaldes weiter einzudringen...
Der Indio begleitete uns noch einen Tagesmarsch. Dann zeigte er uns die Richtung an und machte mir verständlich, daß es dort zu einer nicht sehr weit entfernten Hazienda gehe. Ungern entließ ich dann meinen Freund, den Indio. Auch ihm fiel der Abschied sichtlich schwer. Lange stand er noch auf einem Hügel und schaute uns nach. Leb wohl, mein roter Bruder!
Es war gut, daß der Weg durch Flachland ging, das keine großen Hindernisse mehr bot. Es war für mich schwierig genug, den Kranken weiterzubringen, der oft nicht mehr mittat und sich sperrig zeigte. Dann mußte ich viel Geduld haben, ihn mit einer Tablette aufputschen und zum Weitergehen bewegen.
Am Abend des dritten Tages sahen wir die Hazienda vor uns in einer Umgebung, die wie eine Oase in der Wildnis anmutete. Wir wurden von dem Besitzer mit größter Gastlichkeit aufgenommen und großartig verpflegt. Der Farmer hatte dann mit mir eine lange Aussprache, in der wir beschlossen, den Kranken vorläufig in der Hazienda zu lassen. Ich würde allein weiter
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