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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Blumen. Rot und violett schießen Flammen empor. Fünfzig, sechzig Meter hoch aufgerichtet steht die Waldwand, bizarre Formen, unheimliches Leben, manches scheint zu wandern, einherzustelzen. Gebilde, die man nicht mit Namen nennen kann, umwirren alles. Alles ist seltsam ineinander verfilzt, seltsam verwoben, grotesk, wunderbar. Die hochgeschlungenen bezaubernden Lianen lodern in unermeßlicher Pracht; es funkelt wie ein Berg Edelsteine und Smaragde, es ist wie in einem Zaubermärchen, in dem immer neue un­bekannte Kostbarkeiten zutagetreten, aber Zaubermärchen halten sich bei allem noch innerhalb der Bezirke menschlicher Begriffe. Hier reichen mensch­liche Begriffe nicht zu.

Die Begriffe zerfließen, wandeln sich, gehen ineinander über. Blüten und Blumen rieseln buchstäblich wie Wasser, Farben brennen und leuchten, der Wald schäumt, die Schönheit fließt, strömt, strahlt, gestaltet sich; schmeckt, verwirrt, gebärt sich in immer neuen Farben, Formen und unvorstellbaren Gebilden, Bildern, Ereignissen, Geburten, unsagbaren dämonischen Unwirk­

lichkeiten.

Vögel und Käfer tarnen sich wie die Pflanzen, nehmen Farben und kleinste Merkmale der Bäume und Farne an, leben und atmen wie sie, sind sie. Ist das ein Zweig, ein Tier? Bewegt sich dort ein Falter oder ein Blumenstaub? Haucht dort eine Blüte oder ein Insekt? Pflanzen sind Tiere und Tiere Pflan­zen. Es ist ein Zauberwald, sinnverwirrend, hirn- und herzverwandelnd.

Unsere Sinne reichen nicht aus, um diese Farben und Formen zu erfassen und zu würdigen. Seltsame, fremdartige Gewächse, Orchideen, die in einer grandiosen Schönheit wuchern, eine unbändige Fülle von Lianen und riesen­haften Fuchsien, überwuchert von mimosenartigen Gespinsten. Das Leuchten und Flammen der Blumen ist eine Welt für sich, vielleicht sind es keine Ge­wächse, vielleicht ist alles Täuschung. Urgespinste, Urfeuer, irisierende Farben, feinste Strahlungen, Urwelthauchelemente, alles im Gemisch, Gestalt vor­täuschend oder da und dort Gestalt annehmend, wieder verfließend, wieder sich materiálisierend; Zauber, Zauber, Schöpfung.

Da stehen Blumenkobolde. Plötzlich ein feiner Reif um sie, kleine Lichter umtanzen sie, Kerzen werden gesetzt, ein Hauch goldgelben Staubes umweht das Ganze, und das Bild ist verschwunden. Etwas ganz Seltenes, eine Pilz­blume, die sich mit allem möglichen Hexenspuk umgibt, sie trägt bisweilen ein

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