drehen, Fahnen von Flechtwerk, Gerüste von Grasblättern und Stelzenwurzeln, Schlammalgen, dunkle, unentwirrbare Teppiche von Pflanzen und Gewinden, die in Lebensgemeinschaft mit den Bäumen schmarotzen; das Ganze riesige Bauten, die gespenstisch in dem Faulwasser schwanken. Ein verwirrendes Bild wilden Lebens, ungeahnter Lebensformen und-möglichkeiten, die sich von selbst herausbilden.
Ich mußte oft meinen Facon gebrauchen, ein großes scharfes Messer, das Strauch, Dorn und Buschgewirr durchschneidet, um mir so eine Picate durch die Wildnis zu bahnen. Weit und breit waren nicht die geringsten menschlichen Spuren, Anzeichen menschlicher Ansiedelungen zu entdecken. Es wurde mir manchmal angst und bang zumut, ich durfte über meine Lage nicht nachdenken, denn ich spürte, daß mich dann leicht eine Verzweiflungsstimmung das war mir klar war ich verloren. Doch so befallen würde, und dann sehr ich auch bemüht war, aufsteigende Fragen und Zweifel zu unterdrücken, sie meldeten sich immer wieder. War es nicht leichtsinnig gewesen, so allein geradewegs in die Wildnis zu gehen, allen Zufälligkeiten und Gefahren preisgegeben? Wenn ich durch Mißgeschick einen Fuß brach, oder wenn mir sonst etwas zustieß, dann war ich hilflos auf mich selbst angewiesen und unrettbar einem schrecklichen Tode ausgeliefert.
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Nach ein paar Stunden Pionierarbeit im Busch war ich jedesmal vollkommen erschöpft und mußte mich lange ausruhen. Es war nur gut, daß ich meistens doch durch kahle und steppenartige, bergige Landschaft wandern mußte. Da kam ich dann leichter und schneller vorwärts.
So war ich wohl acht bis zehn Tage unterwegs. Nach meinen Berechnungen mußte ich bald in eine Gegend am Plateau Matto Grosso kommen, in der es menschliche Behausungen und kleine Ortschaften gab. Es gingen aber wieder Tage dahin, und das Bild änderte sich nicht. Busch, Urwald, Steppe, Gestein, Gebirge, Sonnenbrand. An manchen Tagen fand ich kein Wasser. Das war meine größte Sorge. Grausigster Gedanke: Tod durch Verdursten.
Die Sonne brannte unbarmherzig hernieder. Ich befand mich auf einer öden Strecke. Steine, Steppe, unbewaldete Hügel, wohin mein Auge schweifte. Da, unversehens, ich hatte kaum die Wolke bemerkt, die über einem kahlen Felsen hervorlugte, überfiel mich sozusagen aus heiterem Himmel ein tropischer Regen. Es schüttete Bäche herunter. Ich mußte mich auf eine Anhöhe flüchten
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