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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Der Steuermann, zu dem ich gebracht wurde, fragte mich, ob ich Papiere habe. Ich verneinte auf Spanisch , sagte, ich sei von Guatemala .

Dem Kapitän war es anscheinend nicht unangenehin, einen Mann zur Arbeit mehr zu haben, denn er ließ mir bei der Mannschaft einen Schlafplatz an­weisen. Verschiedene meiner Kameraden gaben mir Seife und Arbeitszeug, und da sie an meiner Arbeit sahen, daß ich Seemann war, nahmen, sie mich als einen der ihren an. Ich verrichtete alle Arbeiten, die an Deck vorkamen. Ich hatte meinen Grund, mich nicht als Deutscher zu erkennen zu geben, denn die Naziregierung hatte sich durch ihr herausforderndes Benehmen dem Ausland gegenüber bereits verhaẞt gemacht, und diese Abneigung übertrug man auf alles, was deutsch sprach und sich zum Deutschtum bekannte.

Als ich einmal in der Nähe der Küche hantierte, rief mich der Koch herein und redete mich auf Spanisch an: Nun sag mir mal, mein Junge, was bist du denn für einer? Flunkere nicht. Du hörst, ich kann besser spanisch als du, folglich bist du kein Spanier und auch nicht aus Guatemala . Du hast blaue Augen und blonde Haare. Nordländer, he?"

,, Na, sagen wir Finne", meinte ich halb im Scherz, halb im Ernst und ließ damit immer noch eine weitere Möglichkeit zu. Er gab sich jedoch mit dieser Antwort zufrieden, kam merkwürdigerweise nicht darauf, daß ich Deutscher sein könnte. Er war dann recht nett zu mir und versprach, den Glauben der Leute an meine Herkunft aus Guatemala nicht zu stören. Er zwinkerte nur befriedigt mit den Augen: ,, Nicht wahr, mich hast du aber nicht täuschen können!"

Die Fahrt verlief eintönig und ohne bemerkenswerte Begebenheiten. Viel Arbeit, wenig Freistunden. Schön waren die kurzen Feierabende, an denen ich oftmals auf der Back saß und dem Spiel und Treiben der Schweinsfische zu­sah. Kurz vor der brasilianischen Küste riet mir der Koch, mit dem ich mich mehr und mehr angefreundet hatte, ich solle mich wieder verstecken, wenn die Behörden zur Kontrolle an Bord kämen, denn ich könnte Unannehmlichkeiten haben. Ich tat das auch und versteckte mich in der Bilg unter den Flurplatten des Heizraumes.

Als ich wieder hervorkam, war die Luft sauber. Der Kapitän ließ mich rufen. ,, Na ja", sagte er brummend ,,, du bist schon ein Kerl. Da hast du 50 Milreis und verschwinde."

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