Geld allein nützt einem manchmal nichts, es müssen Devisen sein, das heißt: Geld in der Währung des Landes, in dem man sich gerade befindet.
Einige brasilianische Händler kamen an das Schiff herangerudert, um Obst feilzubieten. Ich brauchte nicht viel zu reden, die Milreis führten eine verständliche Sprache. Ich drückte einem Bootslenker zehn Milreis in die Hand und sprang zu ihm ins Boot. Das Geld war für ihn eine hohe Belohnung für die Überfahrt zur Küste. Meine Kameraden standen an der Reeling. Ich rief ihnen im letzten Augenblick noch zu: Adios, Amigos, io sono Tedesco Propio di Germania !( Auf Wiedersehen, Freunde, ich bin ein Deutscher!).
Manche lachten, manche staunten, manche warfen mir ein paar nicht bös gemeinte Schimpfwörter nach. Viele unter ihnen waren der deutschen Sprache mächtig. Und ich hatte während der langen Fahrt kein Wort deutsch mit ihnen gesprochen. Sie fühlten sich hinters Licht geführt.
Ich kam an Land. Ich war in Brasilien . Ein Land, dessen Name allein in jedem Jungen bereits Vorstellungen von exotischer Natur, Wildwest, Indianer und Abenteuer hervorruft. Ich dachte an die Schlangenorchidee, an die geheimnisvollen blauen Indianer, an Gold- und Diamantensucher, an Urwald, Prärie und sagenhafte Schätze der einstigen Konquistadoren.
Nun, der erste Eindruck war wesentlich nüchterner und prosaischer. Das erste, was ich sah, war ein Wolkenkratzer, das Gebäude der A'Noite, der großen Tageszeitung. Ein Häusermeer, eine Weltstadt. Die breite gepflegte Avinida Rio Branco, die Hauptstraße Rio de Janeiros, mit ihren imposanten Geschäftshäusern, in die man von der Hafenbucht Guanabara aus einbiegt. Der Impuls dieser Stadt ist ungeheuer stark; ich habe selten in einer anderen Weltstadt einen so energievollen Lebensgang gespürt.
Rio bei Nacht. Der herrliche Copa- Copanastrand in wunderbarer Lichtfülle. Im Hintergrund der Cocovato mit der gigantischen Jesusstatue und der Paon de Asucas( Zuckerhut) mit der Schwebebahn, das pompöse Casino Atlantik . Im Hintergrund der weiträumigen Stadt das Orgelgebirge, und hinter den letzten Häuserreihen beginnt bereits der Urwald, stets bereit, mit unbändiger Kraft sein verlorenes Terrain wieder zurückzuerobern, sobald der Mensch in seinen Anstrengungen nachläßt, sein herandrängendes Element einzudämmen. Viele weiße, palastartige Villen steigen an den Hängen des Urwalds hinauf,
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