Wunden brannten, aber sie behinderten nicht mehr den mechanischen Lauf der Glieder. Der Schweiß floß uns in Strömen am Leib herunter, wir arbeiteten fast nackt, einer riß sich in wilder Wut den letzten Fetzen vom Leibe und stand unter uns wie der neuerstandene Adam, keiner sah nach ihm. Nichts konnte uns davon abhalten, zu schuften. Was für ein Befehl oder innerer Antrieb war das, der uns an dieser höllischen Workerei festhielt, der uns nicht einfach hohnlachend erklären ließ: ,, Macht was ihr wollt, aber wir tun nicht mit!" Es gibt Lebenslagen, in denen irgendetwas stärker ist als der Verstand und der Selbsterhaltungstrieb, in denen man der Hypnose eines Befehls, einer Zwangsidee unterliegt.
Die Sonne brannte weiterhin schrecklich hernieder, erhitzte den Monsun zu einem giftgeschwollenen Gasball. Taumelnd und keuchend durchmaßen wir den glühenden Ofen, immer wieder, immer wieder.
Die letzte der achthundert Tonnen schusselte über Bord. Das Schiff hatte sich merklich Zoll um Zoll gehoben. Die Schiffsmaschinen wurden in Gang gesetzt. Befehle erschollen, Lärm, Geschrei, Flüche. Eine ungeheure Spannung und Erregung hatte sich unser bemächtigt. Wir benahmen uns alle wie Fieberkranke, wie im Delirium schwankten wir umher.
Würde das Schiff flott kommen? Es war, als würde der ungeheure Leib des Schiffes lebendig, als stöhne er auf im wilden Kampf mit einer Bestie, die ihn überfallen hatte und umkrallt hielt. Es zuckte und ruckte im Schiffsrumpf, ein paar Mal bäumte er sich förmlich auf, wir hörten gierig auf das bekannte Geräusch der Schiffsschrauben und-maschinen, das uns beweisen würde, daß wir im freien Wasser seien.
Aber das erlösende Geräusch ließ sich nicht vernehmen.
Der Kapitän war einem zweiten, verhängnisvollen Rechenfehler erlegen. Er hatte genau berechnet, wie tief er mit seinem Schiff in die Sandbank versackt war, und daß er keine neue Belastung durch eindringende Wasser berücksichtigen mußte. Er hatte daraufhin mathematisch genau auskalkulieren können, wieviel Ballast er über Bord werfen mußte, um mit dem Schiff so viele Zoll höher zu kommen, daß es frei wurde. Nicht aber hatte er in seine Berechnung einbezogen, daß die Schiffslast an sich auf den Sand drückte, tiefer einsank, also nicht auf dem Fleck blieb, wo sie ursprünglich festgerammt war.
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