Die Schiffsmaschinen verstummten wieder. Die eintretende verhältnismäßige Stille kam uns wie eine Grabesruhe vor. Der Fehlschlag wirkte lähmend auf unsere Energien. Der Kapitän zog sich zurück. Wir warfen uns hin und dösten erschöpft ein. Schlafen konnten wir trotz schwerster Erschöpfung nicht.
Nach ein paar Stunden erschien der Kapitän wieder auf Deck. Würde er nochmals Befehl geben, Ballast über Bord zu werfen, würde er den Kampf mit der Übermacht, mit einer höheren Gewalt erneut aufnehmen?
Wir sahen ihn an. Seine Figur war nicht mehr so gestrafft wie gestern, wo er den Befehl zur Entladung von achthundert Tonnen Mehl gegeben hatte. Düster und gebeugt trat er vor uns hin. Sein Gesicht sah alt und zerfallen aus. Da wußte ich, daß er kapituliert hatte, daß er dem Gegner Sieg und Triumph überlassen mußte.
Er erteilte Funkbericht, daß er die Bedingungen des Schleppers annehme. Der nahte eine Stunde später, stolz und siegesbewußt erklang sein Motorengeräusch, er kam heran, Hilfe bringend, Beute machend.
Der Schlepper mußte sich nicht sehr bemühen; es gelang ihm bald, das Schiff flott zu machen und es in den nächsten Hafen zu bringen. In Perra Perim hatten wir also unfreiwilligen Aufenthalt.
Die meiste Zeit verschliefen wir. Stundenweise gingen wir an Land, sahen dem Leben und Treiben der Araber zu. Es ist ein altes, zigeunerhaftes Volk mit ausgeprägten Merkmalen der Degeneration. Magere, klapperdürre Gestalten, unordentliche und unsaubere Weiber. Auffallend und grotesk sind manchmal die Gegensätze im Benehmen der Männer zu ihrer wahren Gestalt. Da kommt einer würdig und gravitätisch daher, und man weiß doch, er ist ein großer Gauner, der die nächste Gelegenheit benützt, um einen übers Ohr zu hauen. Die Männer haben dunkle, schlaue Diebsaugen, die dauernd nach Raub ausspähen. Man muß auf seine Siebensachen Obacht geben, sonst fehlt einem nachher bestimmt das eine oder andere.
Die Sonne scheint ihnen alles Fett aus dem Körper ausgelassen zu haben; man meint manchmal, sie müßten zerbrechen auf ihren spindeldünnen Beinen. Kommt die Gebetsstunde, so breiten sie ohne Rücksicht auf jedwede Umgebung ihren Teppich aus, den sie stets bei sich tragen, und knien darauf nieder, das Gesicht gegen Osten in Richtung Mekka gewandt. Dann ertönt ein monotones Gesumme: Allah il Allah...
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