letzt alle, die Millionen Unterdrückter!" Ein tief aus der Kehle aufsteigender Laut endete seinen Aufschrei.
Die Wachen hatten den Angeklagten gepackt und drehten ihm die Ellenbogen nach außen. Mit zusammengebissenen Zähnen, aber noch verständlich, stieß er hervor: ,, Wenn nicht heute, dann morgen; und wenn nicht morgen, dann übermorgen."
,, Immer derselbe Blödsinn, rief der Richter. Er war gar nicht mehr rosig, sah kalkig und übermüdet aus.
Eine neue Drehung an seinen Armen hatte dem Einäugigen fast einen Schmerzensschrei erpreßt. Ohne ihn loszulassen, führten die Wachen ihn auf seinen Platz auf der Anklagebank. Die Verhöre waren beendet. Richter und Beisitzer zogen sich in ein anliegendes Kabinett zurück. Eine Viertelstunde später erschienen sie wieder. Die Urteile wurden verlesen. Fünf junge Männer erhielten zusammen 81 Jahre Zuchthaus. Fritz Müller wurde zum Tode durch das Handbeil verurteilt. Die Zuschauer erhoben sich geräuschvoll. Steeger hätte sich gern eilig mit den ersten durch die Saaltür gedrängt. Da sich aber dort alles staute, mußte er stehenbleiben, Bekannte begrüßen, Fragen stellen, Antworten geben, so lästig das war. Er war noch froh, daß Gerdas Vater nicht dabei war und ihn wieder fragte, warum er sich nie sehen ließ. Endlich gewann er die Straße. Der Wind von vorher blies ihn an; aber jetzt empfand er ihn angenehm.
,, Vier Jahre", knurrte er ,,, herumgewühlt, ohne in unsere Netze zu fallen; naja, als treuer Gefolgsmann. Er wollte mich anquatschen. Aber dann lohnte es ihm nicht." In rasender Eile überquerte Steeger den Platz vor dem Gerichtsgebäude., Verdammter Hund! Wie diese Leute mit sich zufrieden sind! Auf dem Platz war nichts außer Schupo und Privatautos. Unmöglich, einen Wagen zu bekommen. Steeger war so voller Zorn und widerwärtiger Gefühle, daß er einfach nicht mehr denken konnte. Was auch? Er hatte es einfach satt. Alles. Endlich kam ein Taxi. Er rief es an und
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