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hatte sich über sein Interesse an ihrer Musik gefreut, obgleich er, wie sie sehr schnell gemerkt hatte, gar nichts davon verstand. Selbstverständlich hatte er seine Neigung erwidert geglaubt. Sein Selbstgefühl kannte keinen ernsten Zweifel. Auf keinen Fall hätte er gewagt, sich ihr mit der kleinsten Vertraulichkeit zu nähern. Nicht, weil sie Klemms Tochter es gab genug Töchter, die allerlei vertrugen- nein, in Wahrheit, Gerda flößte ihm gründliche, fast unbegreifliche Hochachtung ein.
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Am Ende dieser verzauberten Wochen hatte er es ihr gesagt. Er sagte ihr, daß er sie liebe, und wollte sie in seine Arme schließen. Noch heute, hier im Gerichtssaal, nach so langer Zeit, wurde er dunkelrot, wenn er an die Vernichtung dieses Augenblicks dachte. Gerda hatte ihn mit ausgestreckten Händen vor die Brust gestoßen. Die feinen Augenbrauen hochgezogen, hatte sie einen unbeschreiblichen Blick auf ihn gerichtet war er schmerzlich gewesen?- und langsam und ausführlich den Kopf geschüttelt. Sie hatte kein Wort gesagt; aber die Abweisung war vollkommen gewesen.
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Es hätte einen genügend harten Schlag für Steegers Eitelkeit bedeutet, wenn seine Herkunft aus einer Weinstube den Anlaß gegeben hätte; aber etwas weit Bittereres hatte er erleben müssen.
Stammelnd hatte er gefragt, ob seine Abstammung aus ,, niederen Sphären" der Grund ihrer Ablehnung sei. Gerdas ,, Nein" war so rein und klar gewesen, daß daran nichts zu deuteln war. Aber plötzlich aufstehend, war sie vom blauen Sofa, wo sie saßen, zur Tür geeilt und hatte gerufen- ja, förmlich gerufen hatte sie es: ,, Nein, Steeger, ich habe Sie nicht einmal gern. Unglücklich wäre ich, wenn ich Sie liebte." Damit hatte sie ihn im Zimmer allein gelassen. Er war unbemerkt aus dem Haus gegangen, um sie nicht mehr wiederzusehen.
Steeger war unglücklich genug, keinen Augenblick weiter daran zu zweifeln, daß sein Beruf es war, den sie verabscheute. Warum sollte sie diesen nur an ihrem Vater hassen?
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