erstaunliche Ernsthaftigkeit, die allen Äußerungen dieses Mädchens eigen war. Gerda lachte nie, war nie albern; schien aber immer ebenso heiter wie auch ernsthaft. Niemand hielt sie für achtzehnjährig; aber man dachte auch nicht über ihr Alter nach; sie war ein junges Mädchen, das Musik studierte, und sie war schön und lieblich, und sie war Klemms Tochter. Dieses Mädchen, das hatte Steeger gefühlt, würde vielleicht noch einen Menschen aus ihm machen, ihn jung machen. Er wurde bald vierundzwanzig; aber er war alt, so alt. Wie ein Stein war er gewesen, bis er Gerda kannte. Dienst, Dienst, nochmals Dienst was hatte es denn sonst für ihn gegeben?
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Nie wäre es ihm in den Sinn gekommen, Gerda mit den üblichen Redensarten den Hof zu machen, bei denen der größere Teil aus Frechheiten bestand, womit man das schwache Geschlecht verblüffte. Edwin Steeger sprach aufrichtig mit ihr, bescheiden, fast schüchtern. Er erzählte ihr von Jagdabenteuern, und daß er den Geruch der jungen Pappelblätter im Frühling liebe und alte Baumriesen auf weiten Wiesen; und wenn im Frühling aus winzigen Federwölkchen unvermutet sich mächtige Wolkenriesen ballen, die Himmel und Erde zu beherrschen scheinen.
,, Ja, scheinen", hatte Gerda gesagt. ,, Ich weiß, daß Sie das Blendende verehren. Aber denken Sie nicht daran, wie schnell diese Riesen zerplatzen, und ein reiner, blauer Himmel wölbt sich über der Erde?"
Sie drückte sich immer gut und manchmal so seltsam aus. Er hätte damals merken können, daß sie das mit dem Blendenden politisch meinte. Sie sprach ja aber nie ein politisches Wort. Weiß der Teufel! Wäre sie ihm nur in solchen Augenblicken nicht so hinreißend erschienen. Meist hatte ihn in ihrer Nähe ein unbekanntes, ein zartes, sanftes, seliges Gefühl erfüllt vom Wirbel bis zur Zehe. Er, der nichts so sehr verhöhnt hatte als Gefühl, kannte sich selbst nicht mehr wieder. Sie hatte ihm immer aufmerksam und unbefangen zugehört, wenn er sprach, und er hatte viel gesprochen; sie
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