schen Garten. War denn das ein Leben für einen Jungen wie er? War er denn nicht erst siebzehn?
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Ein Sonntagmorgen kam, es war ein sonniger, kalter Aprilmorgen, an dem die Pappel vor dem Bunker den ganzen Tag keinen ruhigen Augenblick hatte, so ging der Frühlingswind von diesem Sonntag an schien für Edwin Steeger ein neues Leben zu beginnen. Fünf Minuten vorm Essensappell wurde er zum Kommandanten gerufen: Klemm persönlich ließ ihn auf sein Zimmer kommen. Er verspätete sich dann eine volle Viertelstunde bei Tisch. Aller Augen waren auf ihn gerichtet, als er mit hocherhobenem Kopf, wie es auch sonst seine Art war, die Kantine betrat. Jeder konnte sehen, daß ein zufriedenes und stolzes Lächeln sein Gesicht verklärte. Aufschluß von Steeger zu verlangen, weswegen der Alte ihn gerufen hatte, wäre sowieso vergebens gewesen. Niemand versuchte es. Steegers hochmütiges und verschlossenes Wesen kannte man.
Der Kommandant hatte Steeger einen Gruß von seinem Vater aus Berlin bestellt, hatte ihn gefragt, wie ihm der Dienst gefiele, ob er irgendwelche besonderen Wünsche habe. Edwin Steeger hatte strammgestanden, obwohl der Kommandant es gar nicht verlangt hatte, im Gegenteil. Edwin Steeger hatte sich Bücher zu seiner politischen Weiterbildung gewünscht und Zeit zum Lesen, wenn das möglich sein sollte. Klemm hatte gemeint, das würde sich machen lassen und ihn äußerst gnädig entlassen.
Schon nach drei Tagen bekam Edwin Steeger ein Bücherpaket aus Berlin und vom Lagerkommandanten Leseerlaubnis, täglich zwei Stunden. Bald darauf mußte er Kurse halten. Er machte es gut, und sein Ansehen wuchs zusehends, schneller fast als die Pappelblätter neben dem Bunker.
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Der Erste Mai, an dem die feinen Leute und alle die zu ihnen hielten, jahrzehntelang die Straßen möglichst nicht
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