Steeger, der als Schweiger galt und als solcher von den übrigen scheel angesehen wurde, floß über von Beredsamkeit; plötzlich zeigte sich, daß er glänzend verstand, Witze zu erzählen. Und eine interessante Sorte, anders als Hans Warnkes harmlose Jungenscherze, die auf einmal allen Glanz verloren. Seinen Freund Warnke schien Steeger überhaupt nicht zu bemerken. Hatten die beiden sich verkracht? Hans Warnke war auffallend gedrückt und still.
Edwin Steeger hatte sich entschlossen, dem andern fürs erste auszuweichen. Der Junge war zu weich. Schließlich konnte man einer Freundschaft wegen seine Zukunft nicht gefährden. Verflucht dummes Zeug hatte er selbst in der Nacht, in der ersten Aufregung des neuen Dienstes geredet.
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Steeger hatte es sich schwierig gedacht, dem Freund aus dem Wege zu gehen. Es zeigte sich aber, daß es ganz leicht ging. Sie hatten unheimlich viel Dienst. Abends konnte man sich schlafend stellen, sowie man aufs Bett fiel, und bald schlief man wirklich. Als eine Woche vorüber war, hatten beide Burschen so ziemlich ihr Gleichgewicht wieder. Das Verhör schien wie nicht gewesen. Als nach geraumer Zeit beide und wieder zusammen ein besonderes Kommando bekamen, freuten sie sich sogar. Nur so gehörte man zu denen, die Hoffnung auf Karriere hatten. Hans Warnke merkte aus versteckten Andeutungen in seiner Mutter Briefen, daß das Geschäft schlecht ging; er wollte dem Alten nicht wieder vor Augen kommen, bis er selbständig war. Dazu gehörte vor allem, daß er hier genügte. Edwin Steegers Gleichgültigkeit gegen ihn kränkte ihn schwer. Von Tag zu Tag hoffte er, des Abends sich mit ihm aussprechen zu können. Noch dazu hatte er jetzt mehrmals um nichts und wieder nichts Krach mit ihm bekommen. Einmal war es ein vertauschter Schaftstiefel, dessentwegen sie zwei Tage nicht einmal die gleichgültigen Worte des Alltags miteinander wechselten. Gestern hatte der andere gar behauptet, Hans Warnke habe ihn mit dem Gewehrkolben absichtlich vor die Brust gestoßen. Ja, wußte denn der verrückte Junge nicht,
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