mit Knoblauch- und Schweinefettdüften gewürzten, krummen Giebelstraßen des alten Prag und in den häßlichen, grauen, graden Straßen der Vorstädte, auf den breiten Absätzen gewundener und in Jahrhunderten ausgetretener Steintreppen, zwischen wäschebehangenen, brüchigen Holzgalerien, wenn aus zahllosen Armeleutetüren neugierige Frauen und alte Männer nach ihm lugten, Tag für Tag eine Haßwelle sich entgegenschlagen zu fühlen, ging über seine Kraft. Er sagte sich umsonst, daß sie nicht ihm, sondern seinen Feinden galt. Sie galt auch dem Gutgekleideten, dem Fremden, empfand er verstimmt; sie galt auch ihm als Deutschem, der er ja nicht mehr sein sollte. Wer war er nun eigentlich? Ihm kam man grob, ihm schlug man die Tür vor der Nase zu, ihn warf man hinaus. So brach er jedesmal schneller los, wenn er aus den allerverschiedensten und oft ganz harmlosen Gründen eine Absage bekam. Er nahm gegen sein goldenes Petschaft als Pfand Adressen aus einem Vermietungsbüro. Es wurde nicht besser. Ein schwerhöriger alter Fotograf brüllte ihn an, warum er nicht tschechisch gelernt hätte. Ein schwarzlockiger Barmusikant, selber Jude, bemitleidete ihn zwar und ließ sich erzählen, aber sein Zimmer hatte er eben vergeben. Ein ungeheuer dicker Angestellter von einer Schließgesellschaft wollte sein gutes Zimmer samt eigenem Bett billig vermieten, mit sich selbst als Tagesbeigabe. Nachts hatte er Dienst. Auch dieser Mensch lehnte Elger als Mieter ab. Er erkannte ihn mittels Schnüfflernase als blonden Juden und erklärte, Juden nähme er nicht; Juden seien eine menschenunwürdige Rasse. Auf diesen Mann wäre Elger fast mit Fäusten losgegangen. Er war aber von der Stiernackensorte, dreimal so stark als er.
Nach dieser Niederlage wurde Bubi so verrückt, daß er die nächste Unterhandlung mit einer Wäscherin mit den geistreichen Sätzen einleitete: ,, Tschechisch kann ich nicht. Sie halten mich wohl für einen Nazi? Es gibt auch blonde Juden. Ich bin ein Jude."
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