Die Künstlerin stieß das Kammerfenster auf. Der Ferner-
gletscher schaute in stummer Schönheit herüber. Wie reich, wie erfüllt war ihr Morgen gewesen; in der kühlen Frühe, im Angesicht der mächtigen, schneebedeckten Berggipfel, ihr heißes Bemühen, die leuchtende Morgenhelle zu erfassen. Ach, nur nicht an die Großstadt denken, Menschen, Politik, Gesellschaften, Offiziere, die ewig den Krieg wünschten. Wenn dieser Sommer doch nie ein Ende nähme!
Ihre zärtlich forschenden Maleraugen saugten sich fest an der geliebten Landschaft. Sie seufzte: Nur auf der Insel der Kunst läßt sich’s leben.
Ein Jahrzehnt später, als die zweibeinigen Bestien wirk- lich losgelassen wurden, stellte es sich heraus, daß man auch auf der Insel der Kunst nicht leben konnte.
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