,, Haben Gnädige im Krieg Familie verloren?" Die Künstlerin antwortete nicht. Der Weltkrieg hatte ihr zwei Brüder und alle ihre Jugendfreunde geraubt.
,, Gefangene werden nicht gemacht", fuhr der Mann im Sportkostüm unbekümmert fort. ,, Wir hatten Gefangene gemacht, Gnädigste, bei Soissons. Stücker viere. Die Kerls mußten sich entblättern; dann geknebelt und gebunden. Nicht rühren konnten sie sich. In den Wäldern da gab's Ameisenhaufen. Solche Riesendinger, wissen Sie." Er zeigte weit ausholend. ,, Da haben wir sie reingelegt. Jeden in einen." ,, Die Gefangenen?" Die Malerin zweifelte, ob sie recht gehört haben könnte.
,, Wen sonst?" antwortete er lachend. ,, Die Französlein. Gefangene werden nicht gemacht", fügte er augenzwinkernd hinzu. ,, Verstehen Sie?"
,, Und warum haben Sie sie nicht erschossen, wenn es schon solch einen Befehl gab?" fragte die Malerin. Sie beherrschte sich mühsam.
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, Weil das so viel lustiger war", antwortete der Mann mit dem Bergrausch. ,, Feste Honig in die Ohren geschmiert, in die Nase, in den Mund und so weiter, wissen Sie. Die Ameisen haben Süßes gerne. Die krabbeln da rein, War' ne zerschossene, verlassene Gegend da. Kein angenehmer Tod, meine Gnädige."
Die Malerin schob ihr Essen fort und stand auf. ,, So etwas", sagte sie angeekelt, ,, wollen Sie mir einreden, hätten im Weltkrieg deutsche Soldaten getan?"
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,, Tja, das ist der Krieg, meine Gnädige. Übrigens, ich war damals schon Offizier. Meine Kameraden, der Fähnrich Wegener und Offiziersaspirant Schuffelhauer wo die jetzt wohl sein mögen? Machen Sie nicht so ein Gesicht, meine Gnädige", fügte er hinzu. Er stand tadellos höflich auf und ließ die Dame vorbeigehen. ,, Das war Rache", fuhr er ungestört glücklich fort. ,, Frauen verstehn so etwas nicht." Er verbeugte sich leicht gegen sie. ,, Rache ist süß."
,, Irgendwelche armen Soldaten, die für ihr Volk starben,
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