so? Wenn man nun doch vielleicht im Tode alles weiß? Dann weiß er auch, daß noch immer Krieg ist. Und dann glaubt er sicher, ich hab ihn dazumal wegen dem Schlosserkurt auch angelogen. Und das verzeiht mir der Mann nie, meiner nicht, so stolz wie der ist. Nee, sie kann es nicht wagen, es geht und es geht eben nicht...
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Auf der Straße ist keine Menschenseele weit und breit. Frau Rasenack beeilt sich; und plötzlich kriegt sie es mit der Angst: hat denn der Schläfrige im Magistrat gesagt, um sieben? War es nicht halb sieben? Sie bleibt vor Schrecken stehn. Quatsch, zu dämlich ist man, sieben hat er gesagt. Sie geht wieder langsamer. Schön wäre es gewesen, wenn sie's ihm hätte sagen können: ,, Karl, es is Frieden." Schön einschlafen tät er mir dann. Wie so' n Kind.
Sie wischt sich die Nase. Kalt ist es. Das ist die Steinmetzstraße; und jetzt sieht sie auch schon, wo es ist. Sicher da, wo das junge Mädchen mit dem Kännchen in der Hand auf dem Bürgersteig steht und von einem Fuß auf den andern tritt. Jetzt läuft die grad auf sie zu: ,, Kommen Sie auch von weit? Ich bin um fünfe zu Haus weg, ja, gleich nach fünf. Jetzt wird's wenigstens hell." Die Kleine spricht hastig. Die Rasenack macht nichts als: ,, Hm."
Ein zartes hübsches Ding ist die Kleine. Sicher voll Angst und Not, wie sie selbst. Die gestern auf der Rathaustreppe fällt ihr ein.
Aber bloß nicht reden mit den Leuten. Hat keinen Zweck. Die Junge trippelt indes um die Rasenack, die ihr vergeblich den Rücken gedreht hat. ,, Ich mach nämlich Hochzeit heut", sagt die Kleine und erwartet gespannt die Wirkung ihrer interessanten Mitteilung. Und als ob es gar nichts Besonderes wäre, zu heiraten, fügt sie hinzu: ,, Da braucht man ein bißchen Milch zum Bohnenkaffee, nicht wahr?"
,, Ja, ja", sagt die Alte abwesend und schaut die Straße hinauf, ob der Milchwagen noch nicht kommt. ,, Scheint' nen Happen doof zu sein, die Frau", beschließt die Junge; und
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