sechzig; jetzt, wenn man ihn sieht, Knochen mit Haut bezogen und Eiterwunden drauf...
Sie geht noch mal zum Ofen. Er brennt.
Der andere hat auch in den Schützengraben gemußt, der die Schmiede kaufen wollte. Er hinkte sogar, und auf einmal war er k. v. kriegsverwendungsfähig kriegsverwendungsfähig... Wie lang is nu die Schmiede zu? Die Uhr will nicht vorrücken.
-
Nicht mal' n Strickzeug hat man. Gibt ja keine Wolle. Werd mir doch Kaffee machen, denkt sie. Nicht das kleinste Geräusch entsteht von ihren leisen Schritten, so schwer die Beine sind. Vorm Herd angelangt, tut es ihr wieder leid, Feuer zu machen. Ach was sie geht. Sie holt das mausgraue Tuch aus dem Schrank. Das trägt sie nun schon zwanzig Jahre. Von ihrer ersten Herrschaft ist es... Im Anfang, da sagte er noch manchmal: ,, Frau,' nen richtigen Radreifen möcht ich nochmal schweißen!" Jetzt immer bloẞ: ,, Is Frieden? Is schon Frieden?"
Fast hätte sie laut geseufzt. Sie bückt sich und legt die Ofentüre an. Und das mit dem Christentum, das läßt ihm keine Ruhe, daß die Pfarrer die Waffen einsegnen. Und dann das mit dem Frieden... Sie geht hinaus und schließt lautlos hinter sich ab. Den Schlüssel legt sie vor Lohmanns Tür.
Aber jetzt, wie sie die dunkle Treppe hinuntergeht, gibt es keine Rettung mehr vor dem Gedanken, der sie seit drei Tagen tags und nachts verfolgt: Wenn, wenn sie ihm nun sagte: ,, Es is Frieden"? Die Tränen steigen ihr vor Versuchung zu Kopf. Daß der Mann in Ruhe sterben könnte. Hat sich genug gequält sein Leben lang.
Sie stößt die Haustür auf. Die Straße ist windig und dunkel. Die Laternen brennen nicht. Wenn er dann aber doch was weiß, wenn er tot ist? Sie glaubt's ja nicht. Sie glaubt nicht an Widersehn und so' n Unsinn. Aber weiß man's denn? Genau weiß man's eben doch nicht. Nie in ihrem Leben hat sie dem Mann die Unwahrheit gesagt. In etwas Wichtigem nicht. Und ihn im Sterben anlügen? Und gleich
63


