lichen Hunger." Der Doktor beginnt mit Eifer und der Schnelligkeit einer Hausfrau Butterbrote zurechtzumachen, gießt zwei Gläser Rotwein ein und fängt gleich an, eine Schnitte aus der Hand zu essen. Dabei guckt er verstohlen zu seinem Gast hin. Der sieht schon weniger verbissen aus. Wenn ich's dem Oswald nicht versprochen hätte..."
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Wissen Sie, Herr Riegel, über die Perserteppiche hier" - der kauende Doktor bückt sich schwerfällig, er zeigt auf der Unterseite des Teppichs ein aufgeklebtes rundes Papierchen ,, müssen Sie sich nicht ärgern. Diese schönen Teppiche sind nämlich gepfändet." Das große Gesicht des Arztes zieht sich voll drolliger Falten. Er lacht gemütlich. ,, Sie werden es meiner Frau nicht verraten, Herr Riegel. Sehen Sie, so ein feiner Arzt wie ich, der muß jung und heiter sein und es mit den Damen verstehen, die Sie nicht leiden mögen. Jetzt sind wir ja unter uns Männern. Ich komme da gerade von so einer Gans. Als ich jung war wie Sie, machte ich sogar recht gern das nötige Theater, auch später noch. Aber seit damals die Nachricht kam von unserem ersten Jungen das war September vierzehn bin ich halt nicht mehr, wie ich sein sollte. Das finden meine Patienten auch. Ich vergesse sogar, was ich verordnet habe. Habe schon nicht mehr halb soviel zu tun wie früher. Dazu das Geld in die Kriegsanleihe gegeben, natürlich. Na ja, und so weiter. Kann mir denken, Sie haben noch mehr Sorgen."
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,, Wenn Sie meinen." Der Gast senkt den hageren Kopf, hebt beide Hände hinter die großen Ohren und kratzt sich heftig den kahl geschorenen Schädel. ,, Herr Doktor, Ihr Junge, der ist tot, gut oder schlecht." Er sieht wieder auf. ,, Aber seine Frau und seine Kinder,- haben die Sorgen?" Unbewußt ergreift er ein Butterbrot. ,, Meine Frau und meine Kinder krepieren seit drei Jahren." Sehr laut hat er gesprochen und sieht erstaunt ein Wurstbrot in seiner Hand. Schönes Brot und gute Wurst. Er legt es mitten auf das weiße Tischtuch. ,, Nee, wir zwei haben einander nichts zu
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