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Vergangenes nicht Vergessenes : Erzählungen / Dora Wentscher
Entstehung
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graugelblich farblosen Militärärmel. Nachdem er die wohl- riechende Zigarre dort niedergelegt hat, reckt er den dünnen Arm nach unten und schüttelt ihn. Das alles geht nicht schnell. Und er sagt noch immer nichts. Augenscheinlich wird er nie etwas sagen. Niemand spricht..-

Es ist so freundlich von Ihnen, daß Sie gekommen sind, stößt der Hausherr von neuem vor, rückt jovial näher zum Tisch. Aber weitere Ermunterungen bleiben ihm im Halse stecken. Mit einem energischen Ruck hat der sonderbare Gast den Stuhl zurückgeschoben, auf den man ihn genötigt hatte. Sein scharfer Blick bleibt auf den dicken, festen Wurstscheiben hängen, die auf zarten, bunten Tellern liegen.

Hätte nicht kommen sollen, kommt eine eingetrocknete Stimme aus dem schief ins Zimmer gereckten, sehnigen Hals. Der vorstehende Kehlkopf des Soldaten geht auf und ab. Ich habe mit Ihnen nichts zu schaffen, Herrschaften, sein langes Kinn hebt sich zu einem säuerlichen Lächelnmit Damen schon überhaupt nicht.

Ein halb ergrimmter, halb bittender Blick des Sanitäts- rats, und die Damen sind verschwunden. Sie gehen nicht weit, sie bleiben ziemlich erschrocken hinter der großen Schiebetür, die sie lautlos schließen.

Na, so meine ich es ja nicht gleich, knurrt ‚der Gast. Nun ist er erschrocken. Er krächzt ein paarmal.Entschul- digen Sie. Ich wollte gleich nicht raufkommen, habs aber dem Oswald versprochen.. Er räuspert sich ausführlich und mißtönend.

Der Sanitätsrat lacht stoßweise:Hier kommen Sie nicht weg, sagt er.Jetzt sind Sie in der Höhle gefangen. Er legt dem andern die Hand auf die Schulter.Was ist Ihr Beruf im Frieden, wenn ich fragen darf?

Drucker. Es klingt wie:Hol Sie der Teufel!Kann ich Ihnen in irgendeiner Sache zur Seite stehen, Herr Riegel? Er schiebt dem borstigen Gast vorsichtig einen Teller hin.Nehmen Sie es nicht übel, Herr Riegel, ich bin den ganzen Morgen unterwegs gewesen. Ich habe einen greu-

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