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Die Tür schließt sich. Die Gnädige sitzt und starrt auf die überflüssigen Gegenstände in der offenen Lade.
Der unsympathische, alte Peter' hat wirklich ein seltsames Zähneblecken in seinem großen, roten Gesicht, als er, den Hausschlüssel in der Manteltasche umklammernd, den Kurfürstendamm hinuntereilt. Er stürzt mehr, als daß er ginge. Seine Gedanken sind bei der dann zu öffnenden groBen Haustür. Wird sie wie immer klemmen oder wird sie schnell aufgehen? Man müßte dem Wirt... Jetzt ist er in der Nebenstraße. Jetzt vor der Tür. Stark atmend läuft er die Treppe hinauf, wirft Mantel und Hut ab. Durch das Sprechzimmer in den kleinen Salon.
Da ist er ein feldgrauer Soldat. Einer von tausenden. Von Millionen. Nein, das hier ist der Kamerad seines Heldenjungen. Das hier ist der Mann, der ihm und seiner Frau nach vier Monaten der Qual, des Nichtwissens, endlich sagen wird, wie sein Junge gefallen ist. Sein Heldenjunge.
Warum steht er und schaut zur Wand? Was stehen seine Frau und seine Tochter so ungeschickt herum? Mit weit ausgreifendem Arm packt der Doktor die Hand des lang erwarteten Soldaten, birgt sie glücklich in seiner warmen, weichen Tatze, drückt sie, preßt diese lang ersehnte Hand. ,, Dank, herzlichen Dank, daß Sie gekommen sind."
Aber der Graue mit den eingefallenen Wangen wendet sich ihm kaum zu, sieht ihn gar nicht an; nur seine Brust scheint etwas stärker zu atmen. Er entschließt sich nicht, die halb zugekniffenen Lider von dem großen Bilde im goldenen Rahmen loszureißen, das an der Wand dieses teppichbelegten Salons mit Plüschsesseln hängt. Unter breiten, frühlingsgrünen Bäumen in durchflimmerndem Sonnenlicht lagern da im Gras nackte Frauen; eine ist mehr gelblich und eine mehr rosig von Fleisch; schön sind beide, begehrenswert, sie scheinen einander Apfelsinen zuzuwerfen.
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