leider, gehört zur Kriegspsychose", sagt er fast zu höflich. ,, Wenn es Sie beruhigt, ich habe seit langem eine ganze Anzahl solcher Fälle von Ausschlag wie bei Cilly. Man spricht nicht darüber. Die Mutterherzen, nicht wahr?"
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Dies war die erlösende Phrase. Er pustet ein wenig, als er sich in der ihm eigenen, etwas weichen, aber tadellos militärischen Art verbeugt. Auf seiner Stirn stehen Tropfen. Dabei ist ihm auffallend kalt. Hier ist immer wenig geheizt. Die Durchgangszimmer sind eisig. Auch Ehrensache bei Stadtrats; Prahlerei, wie bescheiden man ist., Bei uns ist's wenigstens warm, wenn wir auch schlecht essen', denkt der Doktor. Sein Mund steht unerlaubt schief und gibt die groBen Zähne preis.
,, Also Fissansalbe, nicht wahr, nicht waschen, und Puder, wenn es zu sehr juckt."
Allein geblieben, setzt sich Frau Stadtrat an ihren Damenschreibtisch. Ein unsympathischer, alter Peter ist er geworden, ihr Jugendfreund. Sie zieht eine Schublade auf und sieht geistesabwesend hinein. Jetzt kann das arme Kind, die Cilly, morgen nicht zum Fest der feldgrauen Helden gehen. Sie bückt sich und entfernt einen winzigen Papierschnitzel vom Teppich. Als sie weiter nichts zu tun findet, blickt sie wiederum leer auf die zierlichen Gegenstände aus Elfenbein, Silber, Lapislazuli und Achat in der offenen Lade. Gar keine Jugend haben sie, die armen Kinder. Kinderhortfeste, Soldatenkaffees, Bescherungen, das ist alles. Wenn sie an ihre Bälle als junges Mädchen dachte und als junge Frau! Als der Sanitätsrat noch Oberarzt war und ein fabelhafter Tänzer. Die scharmant befehlshaberische Stimme, die er hatte; gar keine solchen Säcke unter den Augen und gar keine Eile, wenn er sie besuchte. Plötzlich fährt sie hoch und läuft sinnlos zum Kamin, wieder zum Schreibtisch und wieder zum Kamin. Wenn Bubi nur geschrieben hätte! Sie läutet. ,, War der Briefträger nicht da, Meta?"
,, Er ist schon vorbei, gnädige Frau."
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