vor dem maẞlos erstaunten Blick, dem er begegnet war, wagt er es nicht.
"
-
-
, Mein Sohn" ,, schickt sie schaut stolz und zärtlich in einem fort von der Front. Meine Neffen sind Fliegeroffiziere." Als ob er das nicht wüßte!, Fliegeroffiziere' klingt wie, Götter'. ,, Sie schicken auch. Neulich ist, unter uns gesagt, viel davon schlecht geworden. Schinken und Eier. Schrecklich war es. Ich habe es persönlich beseitigen müssen. Man muß sich ja genieren vor den Mädchen. Die armen Jungen draußen werden ganz närrisch gemacht durch die Urlauber. Unglaublich muß es sein, was für Märchen über die Not in der Heimat an der Front kursieren. Und dabei, wenn man die Leute hier sieht, es ist doch gottlob nicht so arg." Ihr Tempo schwillt. ,, Es steht heute ein sehr guter Artikel im, Berliner Tageblatt', der zur Vernunft mahnt. Und haben Sie das gelesen: wieder neue wissenschaftliche Untersuchungen über Margarine? Ja, und über Kohlrüben- Wruken, wie meine Johanna sagt und Sauerkohl." Die beringte Hand mit dem Lorgnon fällt zurück auf die venezianische Spitze des Mahagonitisches. ,, Daß all diese Nahrungsmittel doch so wertvoll und zuträglich sind! Die Leute sollen ja viel älter werden jetzt und viel leistungsfähiger. Das ist doch wirklich sehr beruhigend, nicht wahr?"
-
-
-
,, Hm", meint der Doktor. Seine Gesichtsfarbe wird dunkler. ,, Ganz unter uns, lieber Sanitätsrat" sie nähert ihren porzellanweißen Kopf seinem Gesicht ,, Haben wir nicht eigentlich eine organisierte Hungersnot? Dies Hintenherumkaufen, diese Wucherpreise... wenn das noch weiter geht, ich zittere für die Kinder." Die fetten, kleinen Hände der Dame umspannen, nervös sich dehnend und wieder zusammenziehend, ihren glatten Hals, als fühlten sie schon da die gräßliche Schlinge der Hungersnot. Als sie die Hände wieder sinken läßt, ist unter der Kette aus kleinen echten Perlen ein dünner, blutroter Streifen geblieben. Der Doktor betrachtet ihn aufmerksam. ,, Überfütterung, gnädige Frau,
43


