bilden Sie sich eigentlich ein—— Herr—— Sie—.“ Er wollte etwas über Knoppes elenden Gesang sagen; aber wie- der näherte sich die Faust der Nase. Wieder bissen Wohl- manns Schneidezähne die dicke Unterlippe.
Aus der gegenüberliegenden Kulisse kam Goldchen.. Sie beugte sich zu ihrem Herrn Direktor und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Ein zufriedenes Grinsen breitete sich über dessen feistes Gesicht.„Na also!“ sagte er— und zu Knoppe: „Kommen Sie nachher in mein Büro.“
„Gut, halten Sie aber das Geld bereit. Ich bekomme achtzig Mark“, sagte der Prinz in den roten Haarborsten. Er hatte sofort begriffen, daß der Tenor wieder spielen wollte.
Knoppe bekam aus Wohlmann nicht mehr als sechzig Mark heraus. Der Direktor erklärte im Beisein des Gendarmen, den er noch aufgegabelt hatte, Knoppe verdanke es nur ihm und diesem freundlichen Beamten, wenn er wegen öffent- licher Beleidigung einer Dame nicht vor Gericht käme. Von Rechts wegen müßte er ihm Strafe abziehen, mindestens zehn Mark. Knoppe zog den schriftlichen Kontrakt aus der Hosen- tasche. Er erklärte, nicht fortzugehen, ehe er nicht sein Geld hätte. Der Direktor ließ sich von dem Gendarmen in seine Wohnung hinüberbegleiten.
Am Abend saßen Bogi und Knoppe, beide in Hemds- ärmeln, auf Bogis Bett. In der Kammer war es schon dämm- rig. Eine milde Abendluft wehte durch das winzige Fenster. Das Schachbrett stand zwischen ihnen auf der Wolldecke. Plötzlich stand Goldchen im Zimmer. Sie hätten ihr Klopfen überhört. Das Mädchen sah wächserner und überanstrengter aus als je.
„Was ist los?“ fragte der junge Schauspieler, unliebsam aus seinen Spekulationen gerissen. Sie wußten sehr gut, warum Goldchen da war. Sie war abgesandt, den„lieben Herrn Knopp£“ zu bitten, doch nur für die eine kleine Lust- spielrolle noch zu bleiben.
Nikolai war von Bogi unterrichtet worden, warum Wohl- mann vorhin Goldchen zu ihm geschickt hatte, und daß dieser
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