gesehen. Ich dachte, ist sie's, ist es gut. Darauf hatte ichlang gewartet. Verdient hat sie's."
Jemand packte den Sprechenden unsanft am Arm. Es war der Gendarm. Knoppé stellte mit einem halben Blick fest: niedrigste Rangstufe. Er sah ihn freundlich blinzelnd an. ,, Bitte?" fragte er höflich. Neben dem Gendarm stand Direktor Wohlmann.
,, Ich habe der Dame bereits das Eintrittsgeld zurückerstattet, Herr Oberwachtmeister", sagte er geflissentlich. Auf Knoppé warf er wütende Seitenblicke. ,, Eine momentane Gemütsverfinsterung, verstehen Sie. So was kann vorkommen. Der junge Mann hat sich sofort zusammengenommen. Reden Sie der Frau doch zu, daß sie nicht klagt", bat er und sah dem Schutzmann dringend in die Augen, als wäre der eine Dame, deren Herz er gewinnen wollte. Das fehlte noch, daß man ihm die Konzession entzog, weil er einen Landstreicher hatte auftreten lassen. ,, Vielen, vielen Dank auch für Ihre Mühe", er schüttelte dem Uniformierten die Hand und ließ unauffällig ein Markstück hineingleiten. Der Schutzmann trocknete schweigend den Innenrand seiner Mütze mit einem großen Taschentuch. Endlich stülpte er die Mütze wieder auf: ,, Gut, ich werde mit die Dame reden. Ich glaub', sie is nich so." Damit ging er.
Kaum war er aus der Tapetentür, da fuhr Wohlmann los: ,, Sie gemeiner Halunke, Schkandal auf offner Szene machen."
Er hatte sich plötzlich zu Knoppé herumgedreht, verstummte aber, als er ihn sah. Knoppé nahm sehr langsam seine Faust zurück. Sie hatte die bläuliche Nase leicht berührt.
,, Man immer mit die Ruhe", meinte der Besitzer der Faust. ,, Sonst gibt's noch mehr momentane Gemütsverfinsterungen."
Wohlmanns große Zähne kauten an seiner dicken Unterlippe. ,, Nikolai muß wieder auftreten. Wir werden ja sehen", zischte er. ,, Das ist der Dank für meine Menschlichkeit. In meinem Hemd steht so was da und überhaupt, was
34
-


