Ensemble war so undankbar, sich über Knoppes Mängel auf- zuhalten. Er war nun einmal der Retter aus der Not.
Nur Bogis Interesse an ‚seinem‘ Landstreicher war noch groß und beständig im Wachsen. So oft Knoppe draußen stand, war der junge Schauspieler in der ersten Kulisse hinter dem ersten Feuerwehrmann zu finden. Leicht vor- gebeugt, unbeweglich folgte er mit versonnenen, ja finsteren Blicken dem Spiele des Sängers. Wahrscheinlich war er der einzige Mensch im ganzen, dicht besetzten Haus, der sich in vollem Umfang der Groteske bewußt war, die dieser Prinz darstellte. Mochte die Wiedergabe auch ungenügend sein, diesseits und jenseits der Rampe herrschte ehrerbietige Auf- merksamkeit für den Saisonerfolg des Kontinents.
Auf einmal schien auf der Bühne etwas nicht zu stimmen. Der eben noch walzende Prinz Danilo hatte sich aus den Armen der lustigen Witwe gelöst und stand mit verzerrtem Gesicht an der Rampe. Gehörte das dazu? Er schrie etwas ins Publikum. Das Orchester spielte weiter. Die Witwe, mit ratlosem Gesichtsausdruck und leer gebliebenen Armen, walzte allein und sang:„Ich hab’ dich lieb....“ Der Kapell- meister.klopfte ab. Die Musik verstummte mitten im Auf- schwung. Die lustige Witwe und ihre Ballgäste hatten zu tanzen aufgehört und starrten auf den Rückeri des Prinzen, der wie genagelt an der Rampe stand und in das dämmer- helle Parkett hineinschrie:
„Wenn das Frauenzimmer in der dritten Reihe links, die vierte von der Wand, nicht sofort den Zuschauerraum ver- läßt—“ Er brüllte heiser und gar nicht laut; aber im ganzen Haus herrschte Totenstille— so erschreckend wirkte der Ausbruch des Sängers.
„... ich werde nicht nur nicht weitersingen, ich werde gleich unten sein“, rief„Herr Knoppe a.G.‘“ drohend. Er hatte die Faust erhoben und schien wütend bereit, in den Saal zu springen.
Eine ziemlich große und üppige Dame in einer grellblauen Seidenbluse, die an dem von dem Tobenden bezeichneten
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