Bratsche. Die ganze Nacht brannte in Bogis Kammer das winzige elektrische Lämpchen. Großartig hingelagert ruhte Herr Knoppe& auf einer frisch bezogenen Matratze in einem alten Holzbett und studierte seine Partie. Er summte und gestikulierte und spuckte in fast regelmäßigen Abständen auf die Diele, bis er gegen drei Uhr morgens mitten in die- sen Beschäftigungen sanft eingeschlafen war.
Auf der Probe glänzte er durch eine ungeheure Gewandt- heit, den Text vom Munde des Souffleurs zu pflücken. Am Sonntag früh gab es noch eine Probe, worüber natürlich mächtig geschimpft wurde. Nachmittags bei der Vorstellung fanden sich Schauspieler und Sänger beiderlei Geschlechts am Rand der Kulissen ein. Natürlich war das verboten. Sie gingen auch bald fort. Es war keine Sensation. Knoppe war kleiner als seine Partnerin, schwitzte ungeheuer, sang mäßig, mehrmals blieb er den Einsatz schuldig, obwohl der Kapell- meister sich rührend um ihn bemühte. Alles war so ähnlich, wie man es erwartet hatte. Nur das Spiel des Mannes war entschieden über dem Durchschnitt. Er spielte echt; wie ein Schauspieler und kein schlechter. Da konnte sich Nikolai verkriechen. Die Sänger flüsterten, daß er eine fabelhafte Stimme gehabt haben mußte, sei unverkennbar; aber es sei eine Qual, ihn singen zu hören. Der Oberregisseur stand welk— das war er immer— und mit sauersüßer Miene herum. Schließlich war er ein Künstler, der an Hoftheatern aufgetreten war. Er hatte sich mit Supermangansäurelösung gewaschen. Bogi, Herwig und die zweite Soubrette, die den Tenor nicht leiden konnte, und sämtliche Theaterarbeiter waren begeistert: vorgestern auf der Landstraße und heute in der Oper singen. Es war fabelhaft. Bogi und der Jugend- liche samt Soubrette erstürmten die Garderobe. Man mußte den Kollegen beglückwünschen.
Knoppe saß, noch in Kostüm und Schminke, den Rücken ihnen zugewandt, vor dem Spiegel. In dem Spiegel war eine plump angemalte Totenmaske zu sehen. Sie war bar jeden Ausdrucks. Als die drei Gesichter im Spiegel erschienen,
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