,, Haben Sie ein gutes Gedächtnis?"
,, Ich hatte ein glänzendes." Sein Ton hakte klagend auf dem ,, hatte".
,, Können Sie den Souffleur hören?"
Der Sänger nahm die Hände aus den Taschen. Er lachte. ,, Das schon! Dafür hab' ich ja nur an kleinen Bühnen gesungen, um nicht zu sagen Schmieren."
Der Kapellmeister blätterte, aufgeregt in den Noten. ,, Singen Sie noch die große Arie", bat er. ,, Es muß nicht sein. Aber wollen Sie?"
,, Der Text wird mir fehlen; aber nichts, was ich lieber täte." Der Sänger fuhr mit der Hand über sein schwitzendes, rotes Gesicht und die Haarborsten, atmete tief und setzte schon ein. Der Text fehlte ihm tatsächlich gänzlich. Er sang in einer angenehmen Silbensprache, die es nicht gibt; und diesmal, das hatte der Musiker am Klavier erwartet, mit leidenschaftlichem Ausdruck. Als er geendet hatte, wurde geklatscht. Im offenen Spalt der Saaltür standen Bogi, der Lockige und mehrere Mitglieder der Oper. Der Bucklige winkte ärgerlich ab und die Tür schloß sich wieder. Der Kapellmeister zog dem Landstreicher einen Stuhl heran. ,, Sie können sich keine Vorstellung davon machen, was ein Musiker von den Sängern zu leiden hat. Wissen Sie: die meisten sind doch in einem Grade unmusikalisch..."
,, Na ja, das bin ich nicht", sagte der Mann ohne Hemd. Die Bewegung war aus seinem Gesicht gewichen. Seine Miene war hoffnungslos.
,, Sie singen so rein wie ein Engel", sagte der Musiker; und mit äußerster Zartheit, leise, fügte er hinzu: ,, Mann, wie konnten Sie nur mit einer so herrlichen Stimme auf die Landstraße geraten? Lange schon?"
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Der Rothaarige nickte: ,,... und die Stimme ruinieren haben Sie aus Höflichkeit zu sagen vergessen."
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,, Ganz ruiniert ist sie nicht", fiel der Kapellmeister lebhaft ein. ,, Und die Reinheit Ihres Gesanges ist eine Seltenheit.
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