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Vergangenes nicht Vergessenes : Erzählungen / Dora Wentscher
Entstehung
Seite
17
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Kinder, euch brauchen wir hier nicht dringend, rief er zur Fensterwand hinüber.Seid so gut, wartet im Garten auf uns.

Sichtlich ungern, aber gehorsam trotteten die beiden jun- gen Leute den Saal entlang und hinaus. Der Musiker griff ein paar Akkorde. Dann neigte er den geistreichen Kopf zur Schulter und lächelte zu dem schon gefaßter Stehenden hinauf.

Womit wollen wir anfangen? Das Lachen? oder die Arie aus dem zweiten Akt? Der Mann antwortete nicht.

Paar Dreiklänge vielleicht, um hineinzukommen?

Bitte, sagte der Landstreicher schüchtern.

Intonieren Sie. Ich komme schon mit, schlug der Ka- pellmeister vor.

Die rauhen Hände des Landstreichers griffen in die Tasten, er summte. Rein, vollkommen rein, aber nichts als Summen. Der Kapellmeister gab schon die Hoffnung auf. Auf ein- mal reckte der Mann sich. Er sang. Der Kapellmeister warf eilig die Notenblätter herum. Es war der Schluß der zweiten Arie. Der Kapellmeister spielte, horchte. Der Mann sang makellos rein, rhythmisch nur die Stimme.... Der große Kopf des Buckligen sank in den Nacken. Er schloß die Augen. Was war mit dieser Stimme? Warm war sie, reich, weich eine wunderbare Stimme mußte das gewesen sein...

Na also, sagte der Sänger, der geendet hatte. Er steckte die Hände in die Taschen und sah zu Boden. Der Kapell- meister sah ihn an.

Daß Sie den Bajazzo hier in dieser Bude singen können, darüber müssen wir nicht reden. Das wissen Sie selbst.

Na ja, brummte der Mann.Vielleicht geht es.

Was die Musik betrifft, ohne Zweifel. Sie haben ihn schon gespielt, sagten Sie?

Vier, fünf Male.

»Na# also:

Ist aber sechs Jahre her, Herr Kapellmeister, sagte der Mann unsicher.

2 Wentscher 17.