Mit einer heiteren, beflügelten Eile wandte der Bucklige sich dem Hause zu. Noten wurden geholt; der Flügel geöffnet. Die Schauspieler setzten sich an die lange Fensterwand, um dem blendenden Sonnenlicht zu entgehen, das die staubigen, leeren Stuhlreihen überflutete und abscheuliche Öldrucke an den verfleckten Wänden beschien.
Den Landstreicher schien seine ganze Frechheit verlassen zu haben. Er stand mit hochgekrümmten Schultern neben dem geöffneten Instrumentendeckel, als sei der eine Falltür, die über ihm zusammenzuschlagen drohte.
,, Ach", flüsterte Bogi entmutigt. ,, Es wird nichts sein. Sieh bloß, wie unser Unglücksmann dasteht."
,, Verrückt. Bloß die Angst vor Herrn Buses Vorhängeschlössern hat uns das eingegeben", seufzte der Lockige. ,, Schade. Na, und wir?- wird man eben wieder einmal vis- à- vis de rien stehen."
,, Ein Sommer geht irgendwie zu Ende", sagte Bogi traurig. Er fühlte sich enttäuscht. Die Sache mit diesem Landstreicher hatte ihn ungemein gereizt und gefreut. ,, Macht nichts. Dann werde ich eben Zeit für meine Anzengruberrollen haben."
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,, Du hast gut reden, hast einen guten Vertrag für den Winter verdienst ihn auch", fügte er rasch hinzu. Bogi, dem man eine große Zukunft voraussagte, hatte beschämt aufgesehen.
,, Ich habe mit drei Jahren angefangen, das Hungern zu studieren", meinte Bogi.
,, Diesem Wohlmann hätte ich zu gern einen Schabernack gespielt", klagte der Lockige.
,, Junge", lachte Bogi auf ,,, wär' dem Schieber doch äußerst angenehm gewesen, hätten wir recht gehabt."
Indessen waren die Noten aufgeschlagen. Der kleine Kapellmeister saß vorm Flügel. Die Hände auf den Tasten sah er mit abwesendem Blick über das Instrument hin. Dann schien er sich des Zwecks seines Hierseins wieder bewußt zu werden. Seine Augen streiften den Prüfling.
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