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Vergangenes nicht Vergessenes : Erzählungen / Dora Wentscher
Entstehung
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ling am Ellbogen; fuhr nur etwas zurück, da er mit der Hand in ein Loch und auf die nackte Haut geraten war.

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, Wir kommen dann wieder her, Herr Direktor", rief Bogi ins Büro zurück. ,, Sie werden sehen, er singt."

Bogi und der Jugendliche legten zusammen. Es reichte. Eine Mark zwanzig kostete das Menu für den Gast. Nach einem wortkargen Essen verließen sie ihn im Schatten einer riesigen Kastanie und gingen den Kapellmeister suchen. Bald kamen sie aus dem Haus wieder heraus und liefen in den Wald.

Der Kapellmeister, nicht gerade ein Zwerg, aber klein und bucklig, war ein musikalisches Genie, erfolgreicher Kompo­nist ernster Musik. Durch einen Konflikt mit der Inten­dantur einer großen Bühne war er in eine Notlage geraten und hatte aus lauter Trotz und Hohn ein Engagement an dieser Sommerbühne angenommen. Die Sache war indessen halbwegs beigelegt. Er erwartete in diesen Tagen eine De­pesche der Agentur, um von hier fortzukommen.

Lebhaften Schrittes, barhäuptig wie die beiden Jünglinge, kam er zwischen ihnen aus dem Wald und begrüßte den Abgerissenen unter der Kastanie. Er faßte seine Hand. Aus hellen Augen, unter einer gewölbten Stirn hervor sah er den Schützling der jungen Schauspieler schweigend und for­schend an. ,, Ein Kollege?" fragte er freundlich. ,, Sie wollen bei uns singen?"

Als er die Hand des Landstreichers losließ, hatte sich dessen Gesicht verändert. Die Gleichgültigkeit, die wie der untilgbare Stempel eines ausgestoßenen Lebens diese Züge bisher wie ausgelöscht hatte erscheinen lassen, war schmolzen. Das Punkt- Punkt- Komma- Strich- Gesicht hatte sich in ein Menschenantlitz verwandelt. Die unscheinbaren, entzündeten Äuglein waren verschwunden. In der zerknit­terten Haut, unter einer geraden reinen Stirn leuchteten auf einmal kindlich geweitet große, blaue Augen.

,, Möchte versuchen", sagte das neue Gesicht. ,, Versuchen wir!"

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