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Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
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Andere fragten ihn, ob er denn die fünf Millionen ermordeter Juden ver­gessen habe. Wieder andere Juden telegraphierten ihm ,, bravo" ,,, eine edle Tat" ,,, das Menschliche im Menschen"! Dagegen drahteten auch einige, daß das ganze keinen Eindruck auf die antisemitische Welt ma­chen würde. Ali Ben Tamara aus Jerusalem kabelte: Von heute ab nennen Sie mich Ihren Freund." König Ibn Simcho telegraphierte: ,, Sie sind ein wahrer Freund der Menschheit; zu schade, daß nicht alle Men­schen so sind wie Sie." Ihm antwortete der Gelehrte: ,, Ich tat, was mein Gewissen mir befahl, Gott schütze Eure Majestät."

*

Freitag, lange bevor das Urteil verkündet werden sollte, waren Logen und Zuhörerraum bis auf den letzten Platz besetzt. Punkt drei ertönte die Glocke. Der Präsident, Herr E. O. Lallemant, ergriff das Wort:

,, Das Schiedsgericht der Liga der Menschenrechte hat nach mehr als zehn Stunden Beratung, unter Inrechnungsstellung aller Momente, wozu auch der Bericht der nach Deutschland gesandten Spezialkommission ge­hört, die gestern zu später Abendstunde wieder zu uns zurückkehrte, mit elf Stimmen, das heißt also einstimmig, folgendes Urteil gefällt:

, Das deutsche Volk wird von dem Verdacht der Kollektivschuld an allen durch die Hitlerregierung, ihrer Gestapo und wie immer die Nazi­organisationen heißen mögen, verübten Verbrechen, freigesprochen, da sich dieses Schiedsgericht der Ansicht des Herrn Verteidigers Löwen­stein voll und ganz anschloß und Punkt für Punkt dessen Behauptungen in Bezug auf die Mehrheit des deutschen Volkes bejahte.'

Die ausführliche Urteilsbegründung wird in zweifacher Ausführung ausgefertigt. Eine davon erhält das Präsidium der Liga der Menschen­rechte in London . Die zweite bekommt das deutsche Volk durch den Verein Liga der Menschenrechte in Marburg an der Lahn , zu Händen des Herrn Professor Urhan, Dekan der Universität Marburg , zugestellt. Ich danke allen, die bei diesem Schiedsgerichtsverfahren mitgewirkt haben."

Wenn schon nach der Hauptverteidigungsrede des Herrn Professor Löwenstein der Applaus ein ganz gewaltiger war, so glich der jetzige einem Orkan. Vorstellen kann man sich das ebenso wenig wie be­schreiben. Erlebt muß man es haben...

Dann geschah etwas, das die Aufmerksamkeit aller hervorrief. Der amerikanische Hauptmann Eric Norgam, der Freund der Eheleute Weber, hatte eine Radioübertragung von Deutschland in die Wege zu leiten ge­wußt, die durch Lautsprecher im Sitzungssaale mitangehört wurde. Es

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