handelte sich um die Übertragung des Eindrucks des Genfer Urteils in Deutschland . Gottesdienste in überfüllten Kirchen, noch feierlicher als die vom letzten Mittwoch, dem ersten Tage der Verteidigungsrede, fanden statt. Die Geistlichen sprachen in herzergreifenden Worten zu den Gläubigen. Kirchenlieder und Orgelmusik hoben die feierliche Stimmung. Während des Choralgesanges- ,, Habe Dank, Du Meister der Geschicke" hörte man deutliches Schluchzen weinender Männer und Frauen. In allen vier Zonen beteten die Gläubigen. So glücklich wie heute waren die Deutschen seit langer Zeit nicht mehr...
Im Genfer Saale verabschiedeten sich die Versammelten.
Professor Weber reichte als letzter dem Verteidiger des deutschen Volkes die Hand: ,, Komm Freund, gehe mit zurück in das Land, aus dem man Dich vertrieb. In die alte Heimat, wo Deine Wiege stand und Deine Glaubensgenossen seit mehr als 1600 Jahre lebten und begraben wurden, will ich Dich zurückführen. Was mein ist, soll fortan Dir gehören; komm Freund, komm mit nach Deutschland !"
Jetzt ergriff Professor Löwenstein noch die andere Hand seines Studienfreundes und sagte:„ ,, Lieber Karl Weber, jawohl, in Deutschland stand meine Wiege. Es war ein herrliches Land, in welchem ich mich bis zum Jahre 1933 glücklich, zufrieden und daheim fühlte. Aber es gibt noch ein zweites Land, wo eine Wiege von mir stand, nämlich das meines jüdischen Glaubens. Palästina ist sein Name! Dort lebe ich jetzt und zu diesem Stückchen Erde kehre ich zurück, von dem schon von alters her durch den Gesang verkündet wird: Matauwu Auholecho Jakauw Mischknausecho Jisroel( Wie schön sind Deine Zelte Jakob, ach, und wie herrlich sind Deine Wohnplätze, Israel). Lebe wohl, Karl Weber, lebe wohl!"
,, Gott sei mit Dir, Isaak Jehuda Löwenstein, Kämpfer des Rechtes. Nie werde ich Dich vergessen. Du hast dazu beigetragen, daß das Volk Deutschlands wieder hoffen kann..."
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