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Ein Jude spricht für Deutschland / Schelomo Bar Eljokum
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Der Dekan eröffnete die Sitzung und hieß die Erschienenen willkom-

men. Dann erteilte er Dr. Rumpf das Wort, der in einem Nachruf aller

dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer gefallenen Ligafreunde gedachte. Er sprach über die schwere Zeit, welche die überlebenden Ligamitglieder in Deutschland durchzumachen hatten und kam dabei auf die hohen Ideale der Liga der Menschenrechte zu sprechen.

Ferner berichtete er über die genehmigte Neugründung der Marbur- ger Liga und erklärte schließlich den unmittelbaren Zweck der Ver- sammlung. Weiter führte er aus, warum jeder der Anwesenden wie das den Besatzungsvorschriften entspräche seine Aufnahme schrift- lich beantragen müsse. Zum Schluß gab er noch bekannt, daß aus der Mitte der Versammlung der verantwortliche Ligavorstand, wie: Vor- sitzender, Schriftführer, Kassierer, usw. zu wählen sei.

Dekan Urhan war mit fünfzehn Stimmen bei einer Stimmenthaltung __ der leere Stimmzettel war von ihm selbst abgegeben worden also

- einstimmig, zum Vorsitzenden der Marburger Liga gewählt worden.

Er dankte für das ihm bewiesene Vertrauen und versprach, den Zwecken der Lira der Menschenrechte nach bestem Können zu dienen.

Dr. Rumpf wurde zum zweiten Vorsitzenden und Kassierer, Professor Eberlein zum Schriftführer gewählt. Professor Weber hatte aus per- sönlichen Gründen, die Versammlung ersucht von seiner Wahl Abstand zu nehmen. Den Anlaß dafür wollte er zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben...

Bevor die Herren sich an diesem Abend trennten, ergriff der Dekan noch einmal das Wort und forderte alle auf, zum kommenden Zusam- mentritt, neue, würdige Mitglieder zu werben. Das Datum der näch- sten Versammlung würde noch schriftlich bekanntgegeben.

***

Die zweite Versammlung fand einige Wochen später statt; diesmal im Hotel Ritter. Neunzehn Anträge auf Neuaufnahme lagen vor. Einer derselben mußte abschlägig beschieden werden. Er war von einem Arzt sestellt worden, der, wenn auch nur für einige Monate im letzten Kriegs- jahr, eingeschriebenes Mitglied der Nationalsozialistischen Partei gewe- sen war. Professor Eberlein hatte sich für die Aufnahme eingesetzt und die Begleitumstände geschildert, unter denen sich der Bewerber mit Seelenqualen zu seinem Übertritt zu den Nazis entschließen mußte. Das Leben seiner Frau, das von den Nazis bedroht war, galt es damals zu retten. Er sah jedoch ein, daß man diesem Antrag nicht stattgeben Konnte, um Schwierigkeiten mit der amerikanischen Militärbehörde zu

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