Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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Ich merkte seine Verlegenheit. Er suchte immer noch oder tat, als ob er suche. Jetzt platzte er mit der Frage heraus: Weiß Ihre Frau schon Bescheid?" ,, Die steht unten und wartet auf mich, wenn Sie es genau wissen wollen", antwor­tete ich.

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Ich merkte, der sonst so Sichere war sichtlich verlegen, noch verlegener als anfangs schon. Fürchtete er mich? Fürchtete er meine Frau? Ich fühlte das, aber mir war nicht darum zu tun, billige Triumphe zu feiern, sondern möglichst schnell wieder hier hinauszukommen.

Dann fing er wieder an: ,, Sie sind nun mal in das KZ­Lager gekommen. Irgendwie waren sie verdächtigt und nun steht Ihnen der Weg zur Wehrmacht offen. Vielleicht können Sie sich draußen eine Auszeichnung verdienen. Es ist, wie Ihnen ja schon gesagt wurde, über das Vorgefallene nicht viel zu debattieren, aber Sie haben mir noch zu unterschreiben, daß das Reichssicherheitshauptamt Ihnen die 250 RM. nicht vorenthalten hat. Außerdem müssen Sie mir bestätigen, daß Sie keinerlei Ansprüche stellen werden! Dabei komme ich auf An­sprüche zurück: Sie haben ja wohl im Lager schon unterschrie­ben, daß aus dem KZ- Lager Entlassene unter keinen Umstän­den irgendwelche Beschwerden erheben dürfen. Meldungen irgendwohin sind untersagt und Sie haben keinerlei Ersatz­ansprüche zu erheben. Darüber brauche ich also mit Ihnen nichts zu reden." ,, Ja, das mit dem Koffer hat sich sowieso erledigt und das, was Sie von dem Gelde sagten,... das kann ich gerne machen, denn inzwischen hat meine Frau das Geld zurückerhalten und ich kann in ihrem Namen bestätigen, daß wir keinerlei Ansprüche mehr stellen werden."

Die Erpressung der allgemeinen Schweigepflicht, die Unmög­lichkeit, sich zu beschweren oder Ersatzansprüche an den Staat zu stellen für Preisgabe der Ehre, der bürgerlichen Existenz und vor allem der Gesundheit der Ehefrau und der eigenen, darüber gab es sowieso keine Gedanken. Diese Ideen hatten keinen Platz in meinem Hirn. Es wäre ja nur auf ein Paktie­

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