Diese augenfällig plumpe Bosheit, dieses echte Transfeldstück, diese ausgedachte Gehässigkeit! Wußte er doch, was so ein Transport im Winter durch Deutschlands Untersuchungsgefängnisse bis nach Berlin bedeutete! Welche Kälte auf den Holzpritschen in kleinen, ungeheizten Stadtgefängnissen und erst in den Zügen der Massentransporte! Er wußte es, denn viele hatte er so abtransportieren lassen und von Tausenden kannte er das Schicksal des Frierens oder Erfrierens im Lager, auf dem Kommando, im Moor, in Eis und Schnee. Und diese Scheinheiligkeit wurde mir, als ich diesen Kleiderständer wiedersah, so recht bewußt.
Ich trat ein, um dem Satan wieder zu begegnen. Staunen! Das Zimmer war leer. Ich schloß die Türe. Ich klopfte an der Nebenzimmertür. Verschlossen! Ich wartete im Vestibül. Ich wartete lange. Ging nochmals hinunter. Ja, der wird gleich kommen!" Sonderbar! Das strenge Gestapogebäude und dieser Gegensatz zu dem sonst so wichtigen Gehaben nun einem Entlassenen gegenüber. Ich ging wieder hinauf. Dann kam er. Der baltische, feingeschnittene Schädel, die schnellen, wendigen Bewegungen! Der Mann, schlank und rank, stand vor mir:
,, So, wir haben Sie schon vor acht Tagen erwartet. Wie kommt das, daß Sie erst heute hier erscheinen?"
,, Die Sache ist höchst einfach: Ich wurde am 6. in Oranienburg entlassen, fuhr sofort nach Breslau , benötigte dort einen Passierschein, verlor, da es Sonntag war, einen Tag und bin dann umgehend hierher gefahren. Kam gestern nacht an und stehe heute zur üblichen Bürostunde vor Ihnen, um mich pflichtgemäß zu melden."
Meine Klarheit der Antwort mochte ihn zuerst etwas verdutzt haben. Er suchte in Ordnern, verließ das Zimmer, lieẞ mich auf dem mir allzu bekannten Hocker Platz nehmen, kam wieder, hatte ein Zettelchen in der Hand:„ Ja, ganz richtig, ich wollte es nur genau wissen. Es stimmt, am 6. sind Sie erst entlassen worden."
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