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Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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zu Krieg, Elend, Untergang. Nur die Eltern verbanden mich noch mit der Heimat. Meine Erkenntnis führte zum Haß gegen diejenigen, die das Verderben brachten. Meine Kar­riere in Deutschland ging zum Teufel. Ich wußte um das KZ, denn ich hatte jüdische Freunde und sie galt es zu befreien, bevor ich ins Ausland ging. Getarnte Querverbindungen und persönlicher Mut versetzten mich in die Lage, einen Doktor Salomon, einen Ledermann, Widmann und andere zu be­freien. Viele aber blieben zurück, wie Vieh ins KZ getrieben. Familien von Freunden wurden zerstört, vernichtet wurde blühendes Menschenleben und schöpferischer Tatendrang. Ich verlor die Besten meines Berufes.

Im Ausland schlug ich mich durch. Sehnsucht trieb mich zu meinen Eltern wieder nach Deutschland und hier begann 1938 auch für mich die Verfolgung durch die Gestapo . An Beruf, an filmen, an Berlin , war nicht mehr zu denken, ich war verfemt.

Mit meiner gleichgesinnten Frau zog ich nach Schlesien und betrieb ein Fuhrunternehmen! Mit mir ein Tscheche Alois Sousek als Fahrer, ein Mann gleicher Gesinnung und gleichen Schlags; wir schworen uns, solange zusammenzuhal­ten, bis wir wieder eine freie Heimat hätten, er, wie ich. Es gesellten sich die französischen Kriegsgefangenen Verlaguet Marius und Crass Georges im kleinen Städtchen Bad Landeck , Grafschaft Glatz , zu uns und wir fühlten uns verbunden in unserer gemeinsamen Einstellung. Die Ausländer fanden in mir den Menschen und Freund. Ehrliche Freundschaft ver­band uns.

Die Kreisleitung beobachtete unsere Zusammenkünfte, stellte mich und zog mich zur Verantwortung. Dort vertrat ich meinen Standpunkt. Verhaftung! Haussuchung! Man fand Briefe aus England und Holland von Sir Simon. Konspiration mit Ausländern! Ich mußte strafschanzen, zusammen mit Pro­fessor Vanoucek und anderen. Ich entschloß mich zur Flucht. Es drängte mich in die Nähe meiner Familie. Sechs Wochen lebte ich versteckt, da wird meine Frau verhaftet. Ich will mich stellen, aber zuvor mein Kind nochmals sehen und werde, den Jungen in den Armen, laut Steckbrief verhaftet. Grund: Meine Flucht, Freundschaft mit Ausländern, abfällige Äußerung gegen Partei und Führer, Verbergung von Gestapo­Verfolgten und Fahnenflucht. Ja, Fahnenflucht, weil ich ge­

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