Druckschrift 
Gestapo-Häftling 52478 aus dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen / Bert Utsch ; Vorwort von Bert Irving ; Zeichnung des Buchtitels und der Bildeinlage von Max Pöppel
Entstehung
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äußert hatte: ,, Für Verbrecher und gegen meine Befreier kämpfe ich nicht!"

Elf Wochen Einzelhaft ohne Vernehmung mit geschmiede­ten Fesseln in der Zelle, dann Strafarbeitslager Schönau. Die Familie wußte nicht, wo ich war. Meinem Vater sagte man, solch einen Sohn hätte man über den Haufen schießen müs­sen. Am 7. Mai 1945 kamen die Russen als Befreier. Meine Frau und den Jungen suche ich seither. Ob ich sie wieder finde, weiß ich nicht. Mein Suchweg führte mich nach Otto­beuren und da begegnete ich Dir.

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Ja, Du bist in der Heimat geblieben. Ich kenne Deinen Kampf, den Du damals führtest. Er war persönlich, es ging um die Existenz. Du versuchtest, Dich mit Novellen und Film­manuskripten zu entwickeln und Deinen kleinen Verlag aus­zubauen, aber das Schicksal hat Dir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deine Frau war dem Wahnsinn verfallen und Dir blieben die Sorgen um die zwei Kinder. Da kam die Gelegenheit, als Bibliothekar zu wirken. So wurdest Du mit einbezogen in das Getriebe jenes Staates, auf den ich damals schon mit Verachtung blickte. Du hast gearbeitet, Dich inten­siv dem Sammeln und Ordnen von Büchern gewidmet, wäh­rend um Dich das Leben die Formen annahm, die Deutsch­land zur Vernichtung bringen mußten. Unvermeidlich bist Du Soldat geworden, einer von den vielen Millionen, die um ein Phantom kämpfen mußten. Dein Weg führte Dich nach Polen . Erst dort hat Dich die Erkenntnis durch den tieferen Blick wach werden lassen.

Und eines freut mich nun: Du bist der Mensch geblieben, wie ich das nicht anders erwartet habe. Treu Deiner innersten Überzeugung, trotz Verkettung in besondere Umstände, hast Du auf Deine Art gekämpft. Dir zur Seite stand Deine zweite Frau, die Dir mit klarem Blick restlos die Augen öffnete. Trotz Verpöhnung seid Ihr beide an den katholischen Trau­altar getreten, als Ihr Euch 1941 vermähltet. Ihr habt es ge­wagt, bedrängten Polen Freundschaft zu halten und die Rechte der Menschlichkeit zu wahren. Ihr habt offene Kritik den SS - Methoden gegenüber geführt.

Jetzt reiche ich Dir die Hand. Das übrige spricht Dein Buch selber; weiter ist es erforderlich für alle, die guten Geistes sind, an der Aufklärung zu arbeiten und auch den immer noch blinden Spießern zu zeigen, was das Deutschland ver­

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