Zimmer, in dem auch damals meine Verhöre stattgefunden hatten. Diesmal allein und nicht aus dem Untersuchungsgefängnis Monte Lupich als vorgeführter Untersuchungshäftling, begleitet von Gestapo . Alles, was mir damals so geheimnisvoll und unergründlich erschienen war, hatte jetzt etwas Leichtes. Das große, inwendige Gittertor vor der eigentlichen Aufgangstreppe, das sonst immer erst hochgezogen wurde, umständlich und herausfordernd, das Unausweichliche verkündend, war bereits hochgezogen. Ich ging die Treppe hinauf wie ein Besucher in einem Privathaus.
War dies alles so organisiert und bis ins Letzte durchdacht, um den Untersuchungshäftling einzuschüchtern und andererseits auf den freien Besucher einen möglichst harmlosen Eindruck zu machen? Ich konnte es nicht enträtseln, aber es fiel mir auf.
Auch oben die Türen zu dem Sachbearbeiter, das kleine Vorzimmer, waren offen. Ich sah wieder das schöne, alte Möbelstück und den Kleiderständer, an dem das letzte Mal mein Mantel hing, als ich zum Transport nach Berlin zum Reichssicherheitshauptamt kommen sollte, wo meine Verhandlung vor sich gehen sollte. Ich sah wieder diesen Kleiderständer, ich dachte an meinen Mantel. Ich besah meinen eigenen. Mantel, der nicht mehr derselbe war, und erinnerte mich an den alten Mantel, der diesem so absolut glich und doch nicht der gleiche war. Aber ich erinnerte mich auch noch einer anderen Episode bei diesem letzten Verhör durch Transfeld, dem ich nun gleich wieder gegenüberstehen würde.
Es war damals auch Winter und ich hatte all die Gemeinheiten und teuflisch erdachten Schikanen hinter mir, die dieser Transfeld mir zugefügt hatte, der mich bewußt in ein. KZ- Lager sandte, statt, wie er sagte, zum Reichssicherheitshauptamt zur Verhandlung unter Beisitz eines von mir zu wählenden Rechtsanwaltes. Er hatte meinen Mantel genommen und ihn während des Verhörs über die Dampfheizung gehängt und ihn mir dann gegeben mit den Worten: ,, Damit Sie es auch schön warm haben."
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